Bei dem Massenangebot aus allen möglichen Ländern könnte man fast vergessen, dass die Osterglocke eigentlich eine heimische Zwiebelblume ist. Sie kommt nicht wie die Tulpe aus dem Orient, sondern ist hier bei uns zu Hause. Leider findet man sie heute nur noch selten wild wachsend. Wer echte Wildnarzissen sehen möchte, muss schon gezielt los, zum Beispiel in die Eifel oder in den Hunsrück. Und natürlich gilt für diese seltene Schönheit: anschauen, fotografieren, aber bitte nicht pflücken. Sie ist streng geschützt.
Im Garten dagegen darf die Narzisse ganz offiziell zeigen, was sie kann. Ich mag sie, weil sie prächtig aussieht, aber dabei angenehm unkompliziert ist. Sie braucht keine Sonderbehandlung, sie kommt zuverlässig wieder, und sie hat einen entscheidenden Vorteil: Wühlmäuse lassen sie in Ruhe. Tulpen fühlen das leider oft anders.
Robust sind Narzissen wirklich. Seit ich sie pflanze, hatte ich nur einmal Ausfälle, und da war nicht der Winter schuld, sondern ein sehr spezieller Gast: die Narzissenfliege. Die hatte ihre Eier auf fast alle Narzissen gelegt, und die Maden haben dann die Zwiebeln zerstört. Das war ärgerlich, aber es blieb zum Glück die Ausnahme und hat mir die Freude nicht genommen. Im Gegenteil, seitdem schaue ich ein bisschen genauer hin und freue mich umso mehr, wenn alles gesund aus der Erde kommt.
Jeden September setze ich gern ein paar neue Zwiebeln. Nicht, weil es nötig wäre, sondern weil ich der Versuchung selten widerstehe. Es gibt einfach zu viele Sorten. Ich pflanze meistens in kleinen Gruppen, denn einzeln wirken sie wie ein versehentlich gesetzter Punkt, als Gruppe dagegen wie ein richtiges Ausrufezeichen. Wichtig ist nur, dass die Zwiebeln nicht in Staunässe stehen. Die älteren lasse ich an Ort und Stelle, sie dürfen dort bleiben, wo sie sich einmal wohlgefühlt haben.
Im Frühling zeigen Narzissen dann ihre erstaunliche Gelassenheit. Sie vertragen Sonne, sie vertragen Wind, und selbst ein später Schneeschauer bringt sie nicht aus dem Konzept. Weil ich verschiedene Sorten im Garten habe, blühen die Narzissen über eine längere Zeit. Das ist wie eine kleine Staffelübergabe: Kaum sind die ersten am Verblühen, machen die nächsten schon weiter.
Natürlich schneide ich in dieser Zeit auch gern ein paar Narzissen für die Vase. Am besten, wenn sie noch nicht ganz aufgeblüht sind. Nur mit anderen Blumen zusammen sollten sie nicht in die Vase. Aus der Schnittstelle tritt ein Pflanzensaft aus, der andere Blüten schneller welken lässt. Man kann die Stiele zwar kurz in heißes Wasser tauchen und die Narzissen erst einmal getrennt stellen, aber ich mache es meist ganz einfach: Narzissen bleiben für sich. Sie können eine Vase auch allein füllen, und zwar sehr überzeugend.
An Blumen mag ich ja immer auch die Symbolik. Narzissen stehen für das Ende von Dunkelheit und Winter, für Neubeginn und Wiedergeburt. Und dann ist da natürlich noch das berühmte Bild der Eitelkeit. Der Sage nach verliebte sich Narziss unsterblich in sein Spiegelbild im See, konnte sich nicht lösen, fiel ins Wasser und ertrank. Als Blume kehrte er zurück, strahlend schön. Ich liebe diese alten Geschichten, weil sie so übertrieben und gleichzeitig so menschlich sind. Wer hat nicht schon einmal zu lange auf etwas gestarrt, das man eigentlich loslassen sollte.
Und jetzt bin ich neugierig. Gehört ihr eher zur Narzissen Fraktion oder seid ihr im Frühling Team Tulpe? Habt ihr eine Lieblingssorte oder eine Kindheitserinnerung an Osterglocken? Ich freue mich sehr, wenn ihr es mir in den Kommentaren erzählt.
With all the mass produced flowers from far away, it’s easy to forget that the daffodil is actually native here. Unlike tulips, it doesn’t come from the Orient, it originally belongs to our landscapes. Sadly, wild daffodils are rare today and protected, so they are best admired in places like the Eifel or the Hunsrück.
In the garden, daffodils are a joy: they look generous and bright, yet they are easy to grow and surprisingly tough. Voles usually leave them alone, and they cope well with sun, wind and even late snow. I plant a few new bulbs every September because there are simply too many beautiful varieties to resist. I like them best in small groups, like cheerful exclamation marks in the beds.
I also love cutting a few stems for a vase. I keep them on their own because the sap can shorten the life of other flowers. And of course, daffodils come with stories: symbols of new beginnings and the old myth of Narcissus, who fell in love with his own reflection and returned as a flower.
What about you, are you on team daffodil or team tulip, and do you have a favourite spring bloom.













Kommentare
Wenn es doch passiert wäre, täten sie mir leid, aber ich musste ihnen einfach näherkommen. Éva
so jetzt kann dein Posting sehen und schreiben!
Schön diese verschiedenen Narzissen Farben und Formen , eins schöner wie die Andere!
Ich liebe diese Farbenpracht und stimmt sie stehen überall bei uns an den Strassenränder , herrlich!
Viel Freude damit ob im Garten oder als ein Blumenstrauss im Haus!
Lieben Gruss Elke
Per me sono il bulbo primaverile per eccellenza!
Un caro saluto e una buona primavera colorata!
vielen Dank für deinen Besuch auf meinem Blog!
Ich habe mich sehr gefreut, deinen Kommentar zu beantworten.
Ich wünsche dir viel Freude beim langsamen Erwachen des Frühlings! :) Herzliche Grüße, Éva
All the best Jan
It is a real joy to see those bright yellow finally waking up the garden, especially since they are so much hardier than the temperamental tulips. You are quite right about their resilience; there is something very comforting about a flower that can poke its head through a late snow shower and keep on smiling as if nothing happened. It is a shame about that encounter with the daffodil fly, but it sounds like it only made you appreciate the healthy ones even more once September rolls around again. The story of Narcissus is such a classic reminder of our own human vanities, but seeing those blooms reflect in a garden pond today feels more like a celebration of spring than a tragic end. Keeping them in a vase all by themselves is definitely the way to go, as their "independence" really lets that sunny color fill a room without any distractions. There is nothing quite like a native flower that knows its own value and doesn't need any special treatment to put on a magnificent show. Since you mentioned the baton exchange between your different varieties, do you find yourself partial to the classic tall trumpets, or do those smaller, delicate, wild-looking ones hold a more special place in your heart?
Du zeigst hier wirklich eine wunderschöne Auswahl an Narzissen. Einfach traumhaft. Der Frühling ist nun endgültig da.
Herzliche Grüße, Helma
Deinem Kommentar entnehme ich, dass du meine Angst nachvollziehbar findest, die mich zu diesem Beitrag veranlasst hat.
Man lernt eben nie aus… Alles Gute! Éva
liebe grüße von mano