Insel Siebenbergen – Kassels kleines Blumenparadies

Mitten in Kassel versteckt sich eine kleine Blumeninsel, auf der der Frühling offenbar dauerhaft eingezogen ist.

Wenn von Blumeninseln die Rede ist, denken die meisten sofort an die Mainau im Bodensee.

Dabei besitzt auch Hessen eine eigene Blumeninsel. Mitten in Kassel, eingebettet in den Staatspark Karlsaue, liegt die Insel Siebenbergen. 

Ein Ort, der aussieht, als hätte jemand beschlossen, den Frühling einfach dauerhaft dort wohnen zu lassen.

Schon lange wollte ich wieder dorthin. Und jetzt, während die Rhododendren blühen, ist die Insel besonders schön. Zumindest für Menschen wie mich, die ständig stehen bleiben müssen, weil schon wieder irgendwo etwas blüht.

Die Beete sind farblich wunderbar abgestimmt, fast schon verdächtig harmonisch. Während ich im eigenen Garten manchmal froh bin, wenn sich die Pflanzen überhaupt an irgendwelche Absprachen halten, scheint hier jede Blüte genau zu wissen, an welchen Platz sie gehört.

Und zu sehen gibt es wirklich viel.

Hier leuchtet der Mohn, so zart, dass man beinahe Angst bekommt, zu kräftig hinzuschauen. Dort explodieren Rhododendren in Farben, die sich offenbar nicht entscheiden konnten, ob sie lieber rot, pink oder violett sein möchten.

Fotografieren wird auf der Insel schnell zum Problem. Nicht technisch. Eher emotional. Wie soll man sich entscheiden, wenn hinter jeder Ecke schon das nächste Motiv wartet.

Die Insel selbst wurde ab 1834 vom kurfürstlichen Hofgartendirektor Wilhelm Hentze zum Landschaftsgarten umgestaltet. Offenbar war er nicht nur Pflanzenliebhaber, sondern auch jemand mit sehr viel Geduld und wahrscheinlich deutlich weniger Platzproblemen als ich. Er sammelte Pflanzen aus aller Welt und schuf daraus ein botanisches Gesamtkunstwerk.

Heute wachsen dort Stauden, Frühjahrsblüher, exotische Gehölze und mächtige alte Bäume nebeneinander, als hätten sie sich schon immer gekannt.

Mehrere schattige Wege führen durch die Insel hinauf zum kleinen „Gipfel“ am südlichen Rand. 16 Meter hoch. In Kassel nennt man so etwas offenbar schon Bergsteigen. Aber der Blick über den Aueteich bis zum Jupitertempel lohnt sich trotzdem.

Besonders gefallen mir die heimischen Orchideen zwischen all der üppigen Blütenfülle. Sie wirken fast ein wenig zurückhaltend zwischen den großen Auftritten der Rhododendren.

Dann plötzlich Vogelstimmen. Nicht aus den Bäumen, sondern aus der Voliere. Dort wird ununterbrochen diskutiert, gezwitschert und kommentiert. Wellensittiche, Kanarienvögel und kleine Zierfinken scheinen sehr viel Gesprächsbedarf zu haben.

Die eigentlichen Stars der Insel sind allerdings die Blauen Pfaue.

Vor allem die Hähne wissen ganz genau, dass sie schön sind. Sie schlagen ein Rad nach dem anderen, lassen ihre schillernden Federn glänzen und rufen dabei laut genug, dass vermutlich noch der letzte Besucher am anderen Ende der Karlsaue versteht, wer hier der Mittelpunkt der Aufmerksamkeit sein möchte.

Zwischendurch laden immer wieder Bänke zum Sitzen ein. Und tatsächlich bleiben viele Besucher einfach eine Weile still sitzen.

Vielleicht, weil die Insel etwas schafft, das selten geworden ist: Sie bringt Menschen dazu, langsamer zu werden.

Umgeben von einem Wassergraben, gespeist von der nahen Fulda, wirkt Siebenbergen fast wie eine eigene kleine Welt. Enten gleiten über das Wasser, Seerosen treiben zwischen den Spiegelungen, und mitten in Kassel entsteht plötzlich etwas, das erstaunlich ruhig wirkt.

Manchmal denke ich, man müsste nachts hier sein.

Ganz allein zwischen den alten Bäumen und den stillen Wegen. Um vielleicht doch herauszufinden, was diese unglaubliche Kraft der Natur eigentlich antreibt. Warum sie immer wieder Neues hervorbringt, warum sie uns berührt und weshalb wir Menschen offenbar nie aufhören, darin etwas zu suchen, das größer ist als wir selbst.

Most people think of Mainau when they hear “flower island”. But Kassel has its own botanical paradise: the island of Siebenbergen in the Karlsaue park.

Especially during rhododendron season, the island becomes a colourful world full of flowers, exotic plants, old trees and peaceful paths. Everywhere there is something to discover, from delicate poppies to glowing rhododendrons and even native orchids.

The island was redesigned as a landscape garden in the 19th century by court garden director Wilhelm Hentze, who created a botanical collection with plants from around the world.

Visitors can stroll through shady paths, enjoy views over the water, listen to birds in the aviary and watch the proud peacocks showing off their magnificent feathers.

Despite being located in the middle of Kassel, Siebenbergen feels surprisingly calm, almost like a different world.




Kommentare

Linda's Relaxing Lair hat gesagt…
Beautiful photos. Such a lovely place for a walk
Bill hat gesagt…
Absolutely beautiful, a wonderful place to visit and explore.
Yamini MacLean hat gesagt…
Hari OM
Stunning! YAM xx
Lowcarb team member hat gesagt…
Such beauty to see and enjoy and I certainly enjoyed your wonderful photographs.
Thank you.

All the best Jan
LoveT. hat gesagt…
Wunderschöne Fotos hast du von der Blumeninsel mitgebracht. Die Motive sind wirklich herrlich. Kann mir gut vorstellen das du noch viel mehr Bilder gemacht hast.
Freue mich das ich die Insel bei dir kennenlernen durfte.

Liebe Grüße
Angie's Recipes hat gesagt…
Die Insel ist ja wunderschön! Ich liebe blaue Paue. Vielen Dank!
Anke hat gesagt…
WOW was für eine schöne Blumeninsel, da kommt man sofort ins Träumen, herrlich Deine Bilder, liebe Anette.

Herzliche Grüße und einen schönen Pfingstmontag
wünscht Dir
Anke
C Stern hat gesagt…
Liebe Anette,
Deine Begeisterung ist ansteckend. Allein Deine Bilder zeugen von einem wundersamen Ort, Deine Beschreibung bringen diese Eindrücke zu einer sehr schönen Ganzheit. Dieses Naturparadies erinnert mich an unseren Tag im Schlosspark des niederösterreichischen Laxenburg. Die Natur komponiert und offensichtlich dirigiert der Mensch - allerdings nicht zum Nachteil des Gartens.
Höchst verständlich für mich, dass Entscheidungen, wovon Fotos gemacht werden, schwer fallen, mir ginge es sicherlich genau so.
Solche Einladungen zur Langsamkeit liebe ich. Vielen Dank für soviel Bezauberndes,
herzliche Grüße, C Stern
Margaret D hat gesagt…
What a beautiful place to walk around and see it's beauty. Flowers of spring are beautiful and lovely to see.
David M. Gascoigne, hat gesagt…
This is obviously a wonderful place to visit, Anette, and I am sure that your practiced and discriminating eye took it all in. When I visit gardens of this type, I find it interesting to compare them with similar visits to other locations. Some seem to be wild and free to a great extent, others are manicured and rectilinear, but all have charm and appeal in one form or another. A Peacock, of course, adds that touch of perfection! Have a great week - David
Éva hat gesagt…
Liebe Anette, ich habe vor Kurzem viele Rhododendren in einem Arboretum in Westungarn gesehen. Die Blüten waren einfach wunderschön.
Dein Besuch auf der Blumeninsel ist ein Erlebnis, selbst wenn man ihn nur auf Bildern festhält.
Meine „Insel“ ist jetzt nur noch ein kleiner Platz am Fenster, den ich jeden Tag mit dem Wechsel der Jahreszeiten und der Natur sehe.
Ich mag das kaum sichtbare Spinnennetz auf dem Mohn sehr. Es ist zart und leicht, die Kunst der Spinne.
Ich wünsche dir einen wunderschönen Pfingstmontag! Alles Liebe, Éva
Elke Heinze hat gesagt…
Liebe Anette,
"hinter den Bergen bei den sieben Zwergen . . . " Aber nein, es heißt ja Siebenbergen 😉. Ich war erst einmal in Kassel, natürlich im berühmten Bergpark. Und der ist selbstverständlich beeindruckend. Diese Insel kenne ich nicht, aber nach deinem Bericht muss sie wunderschön sein und einen Besuch wert. Deine Begeisterung kann ich verstehen. Ich glaube, ich sollte mich in Hessen öfter mal nordwärts orientieren.
Herzliche Grüße und noch einen schönen Pfingstmontag
Elke 🌿🌺☀️🌿
ellen abbott hat gesagt…
So serene and full of beauty. I don't think I've ever seen a peacock's spread tail from the back.
Hena Tayeb hat gesagt…
Oh wow.. so many beautiful flowers.
Kelly hat gesagt…
Früher war mir Kassel unbekannt, doch inzwischen kenne ich – oder glaube zumindest – einiges darüber zu wissen. Mein Enkel ist nach dem Studium dorthin gezogen, und so gibt es Gelegenheit, Wissenslücken zu schließen. Über ausgefallene Sportarten und das Vereinsleben erfahre ich mehr als über Botanik und Co. :). Diesen Link werde ich ihm zur Überraschung schicken... Die Jahreszeit passt dafür perfekt.
Lieben Gruß!
Elkes Lebensglück hat gesagt…
Was für ein wundervolle Blumeninsel, du zeigst da ein grossartigen Ort mit all den verschiedenen Blumen und Tieren. Da kann ich dich verstehen alles würde man gerne fotografieren.. ach festhalten mit nehmen zeigen wollen.. du hast mir eine sher grosse Freude gemacht , danke dir !
Lieben Gruss Elke
Gabriel garden hat gesagt…
Spledido quel parco, grazie per le immagini! È sempre bello pensare che il secolo scorso dei visionari hanno creato parchi splendidi in tutta Europa e noi oggi possiamo ancora goderne. A volte penso se fra 100 anni qualche pianta dei nostri giardini ci sarà ancora ma non sono positivo.

Un caro saluto e a risentirci presto.
Ananka hat gesagt…
Stunning photos :-D
Morgentau hat gesagt…
Was für ein magischer Ort. Gerade jetzt im Frühling muss man sich dort wie im Paradies fühlen. Mir würde es auch so gehen, ich wüsste nicht, was ich zuerst fotografieren sollte. Und ja, ganz schön muss es am späten Abend sein, wenn Ruhe einzieht und nur noch die Stimmen der Natur zu hören sind. Da würde ich auch gern lauschen ...

Ein lieber Gruß zu dir!
Andrea