Zwischen Schlamm und Aussicht unterwegs zum Frühling

 

Hann. Münden, Werra

Wir, meine Freunde und ich,  trafen uns an der Werra in Hann. Münden, dort wo das Wasser so tut, als wäre es ganz gelassen, obwohl es eigentlich ziemlich beschäftigt ist. Die Stadt stand geschniegelt da, Fachwerk wie aus dem Bilderbuch, und über dem Fluss lag dieses helle Licht, das einen kurz glauben lässt, man müsse heute bestimmt nicht frieren. Wir hatten uns zum Wandern verabredet.

eine bewaldete Landschaft, die von dichtem, grünem Moos auf Felsen oder Steinen geprägt ist.

Mit dem Bus ging es nach Meensen. Schon die Fahrt hatte etwas Frühlingshaftes: mild, leicht bewölkt, so ein Himmel, der sich nicht entscheiden kann, aber immerhin höflich bleibt. Wir wollten den Frühling suchen. Im Wald. Das ist ein bisschen so, als würde man eine Katze rufen, die gerade beschlossen hat, nicht zu kommen. Man kann es probieren, klar. Man sollte nur nicht beleidigt sein, wenn man am Ende mit Schlamm an den Schuhen nach Hause geht.

Der Weg führte meist über Feldwege und durch den noch kahlen Wald. Immer wieder öffneten sich weite Ausblicke, diese großen Flächen, bei denen man  so tut, als hätte man nur wegen der Aussicht angehalten. Nicht wegen der kleinen Verschnaufpause, um wieder würdevoll zu atmen. Auf den Ruhebänken glänzte nasses Moos und sah so einladend aus wie ein kalter Schwamm. Wir schauten kurz hin, taten dann so, als wären wir überhaupt keine Bankmenschen, und gingen weiter. Tapfer, versteht sich.

An einem kleinen Wasserlauf entdeckten wir die letzten Schneereste. Eine Brücke aus Kälte und grauem Schnee, gespannt über das plätschernde Wasser. Ein erstaunlich poetisches Bauwerk für etwas, das eigentlich nur noch schnell verschwinden will. Man konnte richtig hören, wie der Winter leise knirschend sagte: Ich bin doch gleich weg, aber ich hinterlasse euch noch ein Souvenir.

Das Bild zeigt einen schmelzenden Schneehaufen, der über einem kleinen Graben oder Bach liegt. Naturphänomen: Es handelt sich um ein typisches Szenario während der Schneeschmelze im Frühling.

Natürlich ging es nicht immer über festen Schotter. Das wäre ja auch zu einfach gewesen. Gelegentlich mussten wir sportlich über Pfützen und Schlamm springen, so elegant wie man eben ist, wenn man versucht, gleichzeitig trocken zu bleiben und dabei nicht so auszusehen, als würde man sich anstellen. Es klappte… unterschiedlich gut. Aber die Stimmung blieb heiter. 

Gegen Mittag erreichten wir den Klusteich. Der lag da wie ein stiller Kommentar zur Sache: eine dünne Eisschicht, blasse Sonne, keinerlei Einladung zum Baden. Er wirkte ein bisschen wie ein Türsteher: Frühling? Heute nicht. Vielleicht später. Er sagte uns ziemlich deutlich, dass wir zu früh dran sind. Der Frühling ist unten in den Dörfern schon eingezogen, hat vermutlich Kaffee gekocht und die Fenster aufgemacht. Aber hier im Wald hält er sich noch bedeckt. Sehr zurückhaltend. Fast schüchtern.

Klusteich im Februar

Wir gingen weiter, Schritt für Schritt, und irgendwann waren es rund 15 Kilometer, ohne dass es sich dramatisch angefühlt hätte. Eher wie ein langer, guter Satz. Am Ende kamen wir wieder in Hann. Münden an, unter der alten Eisenbahnbrücke, die mit ihrer dunklen, kräftigen Konstruktion so wirkt, als würde sie alles zusammenhalten: Fluss, Weg, Tag, Gedanken. Dort verabschiedeten wir uns bis zur nächsten Wanderung. Und dann, als kleines Finale, gleich neben der Straße: Schneeglöckchen.

denkmalgeschützte Werratalbrücke in Hann. Münden.  Es handelt sich um eine Eisenbahnbrücke der Hannöverschen Südbahn. Die ursprüngliche Steinbogenbrücke wurde 1856 fertiggestellt.

Ganz unspektakulär.  Einfach nur diese zarten weißen Köpfe, die sagen: Da bin ich. Reicht doch.

Schneeglöckchen auf einer Wiese

Und so hatten wir ihn doch gefunden, den Frühling. Nicht im großen Auftritt, sondern im kleinen Gruß am Wegesrand. Man muss ihn eben nehmen, wie er ist: manchmal ein bisschen spät dran, aber am Ende zuverlässig.



On Tuesday we met in Hann. Münden by the Werra, took the bus to Meensen, and walked our way back through fields and bare forest, hunting for spring. The weather had turned mild overnight and the sky stayed politely cloudy, as if it wanted to encourage us without making any promises. We paused for wide views, refused the mossy wet benches with great dignity, and admired the last scraps of snow, including a tiny grey bridge of cold still clinging above a little stream.
By noon we reached the Klusteich, quiet and pale under a thin skin of ice, clearly not impressed by our optimism. The path stayed mostly friendly but occasionally demanded athletic puddle jumping and a bit of mud powered elegance. After about 15 km we arrived back in Hann. Münden beneath the old railway bridge, said our goodbyes, and finally found spring where it likes to hide best:  snowdrops right beside the road. Not dramatic, just undeniable.

Klusteich





Kommentare

Elkes Lebensglück hat gesagt…
Ich musste schmunzeln, das erinnerte mich an gestern bei mir als ich los ging den Frühling zusuchen.
Es hat mir sehr gut gefallen deine Fotos doch deine Geschichte von erlebten bei eure Wanderung ist grossartig, amüsiert habe ich mich dabei.
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
Lieben Gruss Elke
Ananka hat gesagt…
These are wonderful photos. That bit of snow looks like a little snow bridge! :-D
David M. Gascoigne, hat gesagt…
Lovely images and an appealing narrative, Annette. Spring is still a few weeks away here. Yesterday it was minus 12 degrees and there is a lot of snow on the ground. Your picture of the snowdrops gives me hope. I will keep checking in the garden! Best wishes - David
Ane hat gesagt…
Passeio maravilhoso! Gosto muito de ver fotos de lugares tão distantes de onde moro.
A primavera está chegando! Bom fim de semana! (●ˇ∀ˇ●)
Gabriel garden hat gesagt…
Avete fatto davvero tanti chilometri ma sembra esserne valsa la pena! Dei paesaggi splendidi e quei campanellini bianchi sono incredibili!

Un caro saluto.
Margaret D hat gesagt…
Seems you had some enjoyable trips there. Jumping puddles and mud. The photos are lovely as is thee scenery.
Kelly hat gesagt…
Schmunzelnd und mit ähnlichen Erinnerungen war ich dabei. 15 strapaziöse Kilometer, nur erträglich in einer Gruppe ;).
Viele schöne Frühlingstage wünsche ich dir!
Lieben Gruß!
Cyra hat gesagt…
Tolle Eindrücke ! & Klasse Fotos!
Liebste Grüße
Cyra

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https://bedeutungsvolle-momente.blogspot.com/
mano hat gesagt…
eure wanderung hast du mit humor und freude beschrieben. es hat mir spaß gemacht, in gedanken dabei gewesen zu sein. zumal ich hann. münden besonders mag und werra und fulda am weserstein gerne hinterher schaue. ich erinnere mich auch, dass es in meensen zwei mittelalterliche kreuzsteine gibt, die wir als studis mal besucht haben.
liebe grüße von mano
Irma hat gesagt…
Was für wunderschöne Fotos von eurem Spaziergang!
Die Landschaft dort ist traumhaft.
Liebe Grüße, Irma
Dani hat gesagt…
Poesie am Wegesrand – Schneeglöckchen und vor allem die Brücke aus altem Schnee. Sowas hab ich noch nie gesehen. Zuerst dachte ich, dass das Kinder gebaut haben könnten.
Herzliche Grüße
Daniel