Sonntagsspaziergang zur Ziegenburg


Am vergangenen Sonntag war es noch etwas frisch. Aber die Sonne tat ihr Bestes, und überall in der Natur arbeitet der Frühling schon mit Volldampf. Genau der richtige Moment für einen Aufruf vom Wanderverein: nur fünf Kilometer, nicht anstrengend, sondern entspannend. Da war ich dabei. 

Wir starteten in angenehmer Runde in Ziegenhagen. Gleich am Anfang überquerten wir den Rautenbach, der dort gemütlich vor sich hin plätschert, als hätte er Zeit im Überfluss. Diesmal waren auch zwei Kinder dabei, die ungestüm vorauseilten. Der Frühling steckt eben alle an. Und Lili, eine kleine superliebe Hündin, wurde vom Wetter regelrecht gepusht und schaffte die Kilometer mit ihren kurzen Beinchen erstaunlich mühelos.

Ganz ohne Anspruch ging es dann doch nicht. Das erste Stück forderte uns, denn es ging steil bergauf.

Unser Ziel waren die Überreste der Burg Ziegenberg, meist Ziegenburg genannt. Heute sind dort nur noch niedrige Mauerreste zu sehen, knapp eineinhalb Meter hoch, vom ehemaligen quadratischen Bergfried, dazu ein paar Stufen, die hinauf auf das Burgplateau führen.

 Die Anlage war insgesamt eher kompakt, ungefähr 15 mal 30 Meter. Wenn man sich vorstellt, dass dort einst gewohnt, gearbeitet, gelagert und gelebt wurde, wirkt das plötzlich erstaunlich eng.

Die Burg selbst ist alt. Sie entstand vermutlich schon gegen Ende des 11. Jahrhunderts oder zu Beginn des 12. Jahrhunderts und war eine Höhenburg in Spornlage oberhalb des Dorfes. In den Quellen taucht sie im Mittelalter mehrfach auf, unter anderem im Zusammenhang mit der Familie von Berlepsch, die in dieser Gegend eine wichtige Rolle spielte. Um 1400 wurde die Burg in kriegerischen Auseinandersetzungen erobert. Später kam sie als Lehen an die Familie von Buttlar, und Mitte des 16. Jahrhunderts war Erasmus von Buttlar der letzte bekannte Bewohner. Danach verfiel die Burg, wurde teilweise abgebrochen, und was blieb, sind diese stillen Reste, die mehr Fragen stellen als beantworten.


Ich setzte mich einen Moment auf die Stufen und versuchte mir vorzustellen, wie es hier oben gewesen sein muss, nicht als romantische Kulisse, sondern als Alltag. Auf so wenig Platz lebten Menschen eng beieinander. Es gab wenig Rückzug, wenig Komfort, kaum Wärme, wenn der Wind durch die Ritzen zog. Wasser musste herangeschafft werden, Vorräte mussten reichen, und jeder Tag hing davon ab, ob das, was man hatte, bis zur nächsten Ernte oder bis zum nächsten Marktbesuch hielt. Krankheit war nicht nur lästig, sondern gefährlich. Und Angst war manchmal eine ganz vernünftige Reaktion auf das, was draußen passieren konnte.


Ich denke dabei besonders an die Frauen, weil ihr Leben in den Erzählungen oft nur am Rand vorkommt. Wer kümmerte sich um Kinder, Küche, Kleidung, Feuer, Vorräte, Tiere, Heilkräuter, und das alles in einem Rhythmus, der keine Pausen kannte. Wenn der Burgherr unterwegs war, blieb die Verantwortung trotzdem da. Entscheidungen wurden getroffen, Aufgaben verteilt, und das Leben musste weitergehen, auch wenn man selbst vielleicht müde war oder sich sorgte. Romantisch ist daran wenig. Beeindruckend schon.

Solche Gedanken finde ich wichtig, weil sie uns den Abstand zeigen. Wir stehen heute hier oben, machen Fotos, zählen Schritte und genießen eine Pause in der Sonne. Damals war dieser Ort eher Schutz und Verpflichtung, manchmal Macht, manchmal Last. Wenn man das begreift, wird Geschichte nicht abstrakt, sondern menschlich. Und vielleicht lernt man genau daraus etwas. Wie wertvoll Sicherheit ist. Wie kostbar Wärme, Versorgung und Frieden sind. 

Hier oben wehte ein kalter Wind, also gingen wir weiter, wieder hinab Richtung Ziegenhagen. 

Immer am Rautenbach entlang, bis wir an eine Kneipp Wassertretanlage kamen. So kurz nach dem Winter wirkte alles noch verwaist. Die Kinder nutzten einen kleinen Bachlauf trotzdem sofort, um wenigstens die Füße ins Wasser zu stecken. Während wir Großen auf der angrenzenden Rastanlage lieber gemütlich in der Sonne saßen, hatten die beiden ihren Spaß beim Planschen.

Irgendwann ist auch die schönste Pause zu Ende, und wir schlenderten durchs Dorf zurück zu den Autos. Mir hat diese Runde richtig gut gefallen. Keine Kilometer zählen, Zeit für kleine Gespräche, ein entspannter Rhythmus, und das Gefühl, draußen gewesen zu sein. Manchmal ist weniger Strecke einfach mehr Sonntag.

Zum Schluss noch eine Frage an euch. Kennt jemand die Ziegenburg und weiß vielleicht noch mehr über ihre Geschichte. Und wer mag, darf mir auch verraten, was für euch einen perfekten Sonntagsspaziergang ausmacht.


Sunday walk near Ziegenhagen

Last Sunday it was still a little chilly, but the sun did its best and spring was clearly at work everywhere. The hiking club suggested an easy five kilometre walk, relaxing rather than demanding, and that sounded perfect.

We started in a friendly group in Ziegenhagen, crossed the gently babbling Rautenbach and headed uphill. Two children joined us and raced ahead, full of spring energy. A small, sweet dog named Lili kept up happily as well, clearly boosted by the sunshine.

Our destination was the ruined Burg Ziegenberg, often called the Ziegenburg, perched above the village. Only low wall remains are visible today, along with a few steps leading up to the small plateau. The castle itself is old and once guarded this hillside in medieval times. Standing there in the wind, it is easy to imagine that life up here was probably more harsh and practical than romantic.

We walked back down toward the village, followed the stream and reached a Kneipp water treading spot. It still looked quiet after winter, but the children immediately found a place to splash their feet, while the adults enjoyed the sun on the nearby resting area.

In the end we strolled back through the village to our cars. I loved this kind of walk: no pressure, no counting kilometres, time for small conversations, and a calm Sunday feeling. Sometimes a short route is exactly the right one.




Kommentare

Elkes Lebensglück hat gesagt…
Gut geschrieben deine Gedanken wie es früher war und auch die Not und doch waren sie Sicherer wie unten im Dorf bestimmt , ein schweres Leben hatten die Bedienstete gerade die Frauen bestimmt. Schön so eine Wanderung mit anderen zu machen. Toll war es mit deinen Fotos!
Weisst ich bin schon glücklich wenn ich meine Einkaufspaziergang mache die dauert meistens so ungefähr 2 Stunden und in den Vorgärten der kleinen Häuser bestaune und den Himmel dabei oder am Strand gehe am frühen Morgen das Liebe ich. Ich bin froh so gehen zu können noch...
Ich wünsche dir iene schöne Woche!
Lieben Gruss Elke
Stara vrtlarica hat gesagt…
Ein interessanter Sonntagsspaziergang, eine wunderschöne Kirche und mein persönliches Highlight sind diese weißen Waldnymphen, die im Frühling unter den Bäumen in den Wäldern aus dem Laub schlüpfen.
Margaret D hat gesagt…
Lovely post, your thinking of life was at the castle was good and interesting. I probably wouldn't have thought similar.
Thanks for taking us on your walk. It was lovely and I enjoyed it :)
David M. Gascoigne, hat gesagt…
This is a great way to enjoy a walk, Anette, in the company of like-minded people. Time to chat and get caught up with each other, no pressure to forge ahead, time taken to enjoy the surroundings and notice the changing landscape. A couple of young children made it even better. I am glad that we were able to tag along vicariously. Very best wishes - David
die Waldfee Moni hat gesagt…
das war ein ordentlicher schöner Marsch durch die Natur. Tolle Eindrücke waren es. Wäre wünschenswert, wenn es vom Wettmachen so bleiben würde das man es vollstens auskosten könnt
Éva hat gesagt…
Du hast gut daran getan, die kürzere Wanderung zu wählen. Ich hätte es genauso gemacht, aber hauptsächlich, weil mir das Gehen schwerfällt.
Am Ende deines Beitrags hast du die Vorteile der kürzeren Route zusammengefasst, dem stimme ich vollkommen zu.
Leider sind wir am Wochenende nicht gewandert, sondern waren in einer Fotoausstellung, einem Schokoladengeschäft und einer Konditorei. Der Pistazien-Cappuccino war sehr lecker. :)
Vielleicht gehen wir dieses Wochenende in den Wald, um die Veränderungen in der Natur zu beobachten.
Mein Lieblingsbild ist das, auf dem jemand ins Wasser steigen will, wahrscheinlich ein junger Mensch.
Es gibt viele Kirchen- und Burgruinen in Ungarn. Die Gründe? Unsere Geschichte voller Angriffe und der Lauf der Zeit selbst. Aber ich mag Ruinen auch, sie geben mir immer noch Energie.
Ich werde wieder Google Translate benutzen, damit du mich auf Deutsch lesen kannst. Alles Gute! Éva
kleiner-staudengarten hat gesagt…
Ein schöner Sonntagsspaziergang mit der Wandergruppe, liebe Anette...ich habe deinen Schäferhund vermisst, der aus Griechenland nun bei dir ein neues Zuhause gefunden hat. Der hätte doch die Strecke sicher auch gut geschafft.
Einen lieben Gruß von Marita, die die Ziegenburg nicht kennt bzw. noch nicht darüber gehört hat.
Linda's Relaxing Lair hat gesagt…
Lovely post and beautiful photos. A great place for a walk. Lili is an adorable dog 🐕
Ananka hat gesagt…
Great photos. Looks like a good walk :-D
Kelly hat gesagt…
Für einen spontanen Sonntagsausflug genau die richtige Mischung aus Länge, Natur und Geschichte. Deine Gedanken zur *guten alten Zeit* kann ich gut nachvollziehen, Romantik hin oder her... Die Ziegenburg kenne ich zwar nicht, aber vielleicht sollte ich endlich der Empfehlung folgen und die Burgreste der Pipinsburg in unserer Gegend besuchen. Mühsam kann ich es mir hier in der Ebene kaum vorstellen.
Trotz der derzeitigen Frühlingsunterbrechung bin ich wieder motiviert :)!
Herzlichst, Kelly
Éva hat gesagt…
Liebe Anette, ich möchte dir herzlich für deinen verständnisvollen und einfühlsamen Kommentar auf meinem Blog danken. Es war schön, deine Worte zu lesen, und ich würde mich freuen, dich bei Gelegenheit wiederzusehen. Vielen Dank.
Alles Gute! Éva
Lowcarb team member hat gesagt…
From the comfort of my armchair I enjoyed my walk with you ...
Your thoughts and photographs were lovely to read and look at.
Thank you.

All the best Jan
Spare Parts and Pics hat gesagt…
A beautiful and interesting hike. Your thoughts about the castle ruins and how people lived back then are insightful!
Rajani Rehana hat gesagt…
Beautiful blog
Rajani Rehana hat gesagt…
Please read my post
Helma hat gesagt…
Hallo Annette,
ein Sonntagsspaziergang an so einem schönen Ort ist herrlich.
Wenn man dann noch mit Gleichgesinnten unterwegs ist, ist es umso schöner. Man kann sich kaum vorstellen, wie es damals war, aber deine Fotos sind wirklich wunderschön.Liebe Grüße, Helma
mano hat gesagt…
ein richtig schöner sonntagsspaziergang! ich mag burgen so gerne und stöbere gern zwischen alten mauern herum. die ziegenburg kenne ich leider gar nicht, nur ziegenhagen mit seinem zoo ist mir noch in erinnerung.
ich drücke die daumen, dass du noch mehr infos dazu bekommst.
liebe grüße von mano