Von Schönheiten, Stachelmonstern und Himmelsstürmern

Nachdem viele Leser nach den Namen meiner Rosen gefragt haben, lade ich heute zu einem ganz besonderen Spaziergang durch die blühende Rosenwelt meines Gartens ein.

Bei meinen letzten Rosenbildern wurde ich mehrfach gefragt, wie die vielen Kletterrosen eigentlich heißen.

Diese Frage beantworte ich gern.

Allerdings gibt es bei mir keine Rosenparade mit nüchternen Steckbriefen. Dafür kenne ich meine Rosen schon viel zu lange.

Jede hat ihre Eigenheiten, manche sind liebenswert, andere anstrengend, und einige benehmen sich wie Persönlichkeiten mit sehr eigenem Charakter.

Kommt mit auf einen kleinen Rundgang.

Wir gehen also noch einmal spazieren. Das mache ich oft, meist allein. Bei den derzeitigen Wetterverhältnissen komme ich nicht dazu viel zu sitzen. Ich kann mich an kein Gartenjahr erinnern, an dem es so ideale Bedingungen für den Garten gab. Aber wie es so ist, nicht nur die Stauden, auch die Beikräuter wachsen in diesem Sommer in den Himmel. Also Hacke in die Hand, Liegestuhl an die Seite gerückt und los.

Kiftsgate

Als erstes treffen wir auf unserem Erkundungsgang auf diese weiße Schönheit. Beim Kauf wurde ich gewarnt. Die Triebe könnten bis zu 10 Meter wachsen. Wenn die Schöne es bei 10 m langen Trieben belassen hätte! Sie hat alle Rankgitter erobert und den großen Apfelbaum völlig eingehüllt. Natürlich ist die Kiftsgate eine richtige Diva und in der Blüte ein Traum mit vielen tausend weißen Sternen. 

Mädchenrosen

Vermutlich handelt es sich bei Maiden's Blush um eine sehr alte Sorte. Im Rosenpark Reinhausen finden sich viele Historische Rosen. Diese alten Sorten haben mich fasziniert. Die Historischen Rosen zeichnen sich besonders durch ihre lange Tradition, ihre enorme Winterhärte und ihren intensiven Duft aus. Die Alba-Rose ist eine der ältesten Untergruppen dieser historischen Rosen.

Veilchenblau

Habt ihr auch schon einmal davon geträumt bei Sonnenuntergang unter einem Dach aus blühenden Rosen zu sitzen? Ich habe mir diesen Traum mit Veilchenblau, einem Dornenlosen Rambler erfüllt.

Glücksfund

Die dänische, dornenlose Lykkefund blüht im Garten immer als Erste im Pflaumenbaum. Die stark duftenden Blüten werden  von Bienen sehr gerne angesteuert. Sie blüht einmal sehr üppig in großen Blütenständen und bildet sehr viele, kugelige Hagebutten über die sich im Winter die Vögel hermachen.

Westerland

Zwar wollte ich mit euch nur die Kletterkünstler besuchen, aber an Westerland kommen wir nicht einfach vorbei. Die Blüten strahlen so intensiv orange, dass sie alle Blicke auf sich ziehen. Die Strauchrose ist eine Kordeszüchtung von 1969.

Hier haben wir eine ganze Rosenfamilie auf dem Bild. Hinten Lykkefund, links Westerland. Beide Rosen habe ich euch ja schon vorgestellt. Gleich hinter dem Rittersporn leuchtet tiefrot Dortmund hervor. Wer denkt sich eigentlich die Rosennamen aus? Wenn ich eine wunderschöne Rose wäre, dann würde ich gern Ghislaine de Feligonde heißen, aber doch nicht Dortmund. Ghislaine de Feligonde besuchen wir heute auch noch. Hinter Dortmund versteckt sich Himmelsstürmer. Wenn ihr mal eine Rose mit unendlich vielen Dornen haben möchtet, dann kann ich euch Himmelsstürmer wärmstens empfehlen. Ohne dicke Schutzhandschuhe geht gar nichts. Weil sie so unnahbar ist, schneide ich verblühte Rosen nicht aus. Das ist ihr egal. Sie blüht unentwegt bis tief in den Herbst. Irgendwie mag ich das Stachelmonster.



Pauls Himalaya-Moschus

Jetzt bitte links entlang. Auf der linken Gartenseite leuchtet uns Paul's Himalayan Musk entgegen. Sie teilt sich ihren Apfelbaum mit Kiftsgate. Genau genommen fechten sie einen Kampf aus. Ich glaube auf längere Sicht ist der Apfelbaum der Verlierer. Es trifft wie so oft den Falschen. 
Aristide Briand

Vor dem bemitleidenswerten Apfelbaum legt sich
Aristide Briand auf einen Rosenbogen. Dieser eher kleine Rambler  ist mehrmals blühend. Viel gibt es da nicht zu sagen: Ein Rosenbogen voller duftender gefüllter Blüten von Juni bis Oktober. 


Constance Spry
Sie gehört zu den Frühstartern unter meinen Rosen. Die dicken rosa Blütenbälle leuchten schon von weitem, wenn die anderen Kletterkünstler noch überlegen ob sie Knospen ansetzen oder nicht.
Der renommierte Züchter David Austin erschuf mit dieser Kreation eine der schönsten Strauchrosen, die erhältlich sind. Bei mir darf sie sich frei entfalten und klettert lustig in höchsten Höhen. 
Mondlicht
Noch etwas schüchtern gibt sich dieser Neuzugang am Sichtschutz zum Nachbarn. Moonlight ist schön wie das Mondlicht in einer romantischen Sommernacht! Das habe ich beim Kauf gelesen. Nun sitze ich in lauen Sommernächten am PC und kann das nicht bestätigen. Aber ja, sie hat große, wunderschöne Blüten. 

Jetzt sind wir bei Ghislaine de Feligonde angelangt. Diese hübsche Kletterrose mit französischem Namen gibt es zweimal. Einmal ein 10 Jahre altes Mädel.


Und ein Neuzugang als Gesellschaft für Moonlight. Beide Rosen wurden vom Züchter gekauft. Ich finde, sie sehen sich nicht wirklich ähnlich. Aber was solls, schön sind sie auf jeden Fall. 

Jetzt könnten wir noch einige Seiten mit Rosen füllen. Das ganze "Kleingemüse" mit Edelrosen, Strauchrosen und was sonst noch im Garten blüht würde allerdings dieses Format sprengen. Ich hoffe, der kleine Rundgang hat euch gefallen und ihr seid beim nächsten Mal wieder dabei.

Welche Rose gefällt euch auf unserem Rundgang am besten? Achtet ihr eher auf die Blütenfarbe, den Duft oder den Wuchs einer Rose?


Nicht vergessen, am28. Juni ist wieder Offener Garten


A Walk Among My Climbing Roses

After showing photos of my roses recently, several readers asked about their names.

So today we are taking another walk through the garden, this time meeting some of my favourite climbing roses and ramblers.

Each rose has its own character. Kiftsgate has conquered an entire apple tree, Veilchenblau fulfilled my dream of sitting beneath a roof of roses, and Lykkefund fills the garden with fragrance while feeding bees and birds.

Some roses are elegant, some stubborn, some armed with countless thorns, and some simply refuse to behave as expected.

Although I wanted to introduce only the climbing roses, a few other favourites joined the tour as well. After all, gardens have a habit of making their own decisions.

I hope you enjoyed this little walk through the rose season and perhaps discovered a new favourite rose along the way.







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