Abschied vom Garten

 Der Koffer wartet schon, aber bevor ich ihn packe, muss ich noch einmal durch meinen Garten.

Endlich wieder Ferien. Diese Woche geht es los.

Ich freue mich darauf. Wirklich.

Aber es ist auch ein längerer Abschied vom Garten. Wenn ich wiederkomme, wird der Sommer endgültig vorbei sein und der Winter schon vor der Tür stehen.

Also nehme ich noch einmal die Kamera und mache meine letzte große Runde durch den Garten.

Vorbei an Beeten voller bunter Stauden, an Rosen, die sich noch zu einer letzten Blüte entschlossen haben, und natürlich am Miniteich. Dort sitzt unser kleiner grüner Frosch und sieht nicht so aus, als würde ihn meine bevorstehende Abreise sonderlich beeindrucken.

Die Runde beginnt an der Terrasse. Geranien, Gerbera und andere Topfblumen blühen, als gäbe es kein Ende. Von Abschiedsstimmung jedenfalls keine Spur.

Etwas weiter haben die Exoten ihren Platz. 

Australisches Zitronenblatt, Banane und Elefantenohr machen noch Sommerferien im Garten. Bald, viel zu früh, müssen sie wieder ins Haus. Ich hoffe, sie verzeihen mir.

Während unserer Abwesenheit werden sie von einer Freundin mit grünem Daumen versorgt. Bei ihr sind sie in den besten Händen.

Eigentlich müsste ich also vollkommen beruhigt sein.

Eigentlich.

Denn dann wären da noch die Oliven, Oleander und all die Zwergenbäume in ihren Töpfen. 

Sie dürfen draußen bleiben und werden von einer Gießanlage versorgt. Selbst die beste Freundin mit dem grünsten Daumen wäre vermutlich irgendwann nicht mehr meine beste Freundin, wenn sie all die Töpfe gießen müsste, die sich im Laufe der Jahre in unserem Garten angesammelt haben.

Warum mache ich mir überhaupt Gedanken?

Ich sollte mich auf die Ferien freuen.

Tue ich auch. Ehrlich.

Aber habe ich wirklich niemanden vergessen? Was ist mit der Fuchsie, die ganz hinten auf der Bank steht? Ist sie versorgt? Funktioniert die Gießanlage überall? Wird es noch einmal richtig trocken? Und was machen eigentlich die Pflanzen in den Beeten, während ich nicht da bin?

Dabei kommen die vermutlich ausgezeichnet ohne mich zurecht.

Vielleicht ist das überhaupt das Problem mit einem Garten: Man kümmert sich monatelang um ihn, beobachtet jede neue Knospe, freut sich über die erste Blüte, schneidet, pflanzt, gießt und ärgert sich gelegentlich über das, was nicht so wächst, wie man es sich vorgestellt hat.

Und dann soll man einfach den Koffer packen und gehen.

Jetzt ist es aber genug!

Schließlich wollte ich unbedingt den Sommer noch ein wenig verlängern. Genau das werde ich jetzt tun.

Der Garten bleibt hier. Meine Freundin kümmert sich um die empfindlichen Kandidaten, die Gießanlage um den Rest und wahrscheinlich wird alles auch ohne mich funktionieren.

Vermutlich sogar richtig gut.

Und wenn ich wiederkomme, wird er anders aussehen. Ruhiger, leerer und herbstlicher. Vielleicht wartet schon das erste Laub auf mich. Dann beginnt eben das nächste Gartenkapitel.

Bis dahin darf der Garten ein paar Wochen ohne mich auskommen.

Und ich ohne ihn.

Mal sehen, wem es schwerer fällt.

Wo es hingeht?

Das verrate ich noch nicht. Aber bestimmt habe ich zwischendurch Zeit, euch zu zeigen, was ich in unserem Urlaubsland alles Schönes entdecke.

Saying Goodbye to the Garden

The holidays are finally here, and next week we are leaving for a longer trip. I am really looking forward to it. But there is one small problem: I have to say goodbye to my garden.

By the time I return, summer will be over and winter will not be far away. So I take my camera for one last walk through the garden, past colourful flower beds, late roses, our little green frog by the pond and all the potted plants that still seem convinced summer will last forever.

A friend with a green thumb will take care of the more demanding plants, while an irrigation system looks after the many pots that remain outside. Everything is organised.

So why am I still wondering whether I have forgotten the fuchsia at the back of the garden?

Of course, the garden will probably manage perfectly well without me. And when I return, it will look different, quieter and more autumnal.

Until then, the garden will have to live without me.

And I without the garden.



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