Eigentlich wollten wir nur kurz ins Eisenbahnmuseum von Kalamata schauen, doch am Ende waren wir den ganzen Nachmittag dort.
Ein Eisenbahnmuseum stand auf meiner Liste für Kalamata nicht unbedingt ganz oben.Aber wenn wir nun schon einmal hier sind, können wir es uns schließlich ansehen.
Also gut. Schauen wir mal.
Schon beim Betreten des Geländes bin ich überrascht. Ich hatte mir unter einem Eisenbahnmuseum vermutlich etwas mehr Schienen, Rost und Technik vorgestellt.
Stattdessen stehen die alten Lokomotiven und Waggons in einem schönen grünen Park zwischen hohen Bäumen. Sogar einen kleinen Teich mit Springbrunnen gibt es.
Das gefällt mir.
Dabei ist dieser grüne Park selbst ein Stück Eisenbahngeschichte. Früher befand sich hier der Bahnhof „Kalamata Limín“, der Endpunkt der Strecke zum Hafen. Wo heute Bäume Schatten spenden und ein Springbrunnen plätschert, gehörten damals auch Kohlelager zum Alltag der Dampfeisenbahn.
1986 begann ein neues Kapitel. Das Gelände wurde zum Eisenbahnpark und Freilichtmuseum. Ausgerechnet im September jenes Jahres, nur wenige Tage vor dem schweren Erdbeben, wurde es eröffnet. Die Katastrophe verzögerte die weitere Gestaltung, erst 1990 wurde der Park fertiggestellt.
Und dann stehen wir vor der ersten Dampflok.
Nun muss man wissen, dass Hans von solchen Dingen erheblich mehr versteht als ich. Wo ich zunächst eine große schwarze Lokomotive mit vielen Rädern, Rohren und Hebeln sehe, erkennt er offenbar ein vollständiges technisches System.
Also beginnt meine Ausbildung.
Ich erfahre, wo sich der Heizkessel befindet und wozu der Tender gebraucht wird. Eigentlich ist eine Lok ein großer Wasserkocher auf Rädern. Schließlich sorgt der Dampf dafür, dass sich die Lok in Bewegung setzt.
Wir können einige der alten Fahrzeuge sogar betreten.
Plötzlich stehe ich vor Hebeln, Ventilen und Anzeigen, deren Bedeutung mir wenige Minuten zuvor vollkommen schleierhaft gewesen wäre.
Hans erzählt.
Ich höre zu.
Und fotografiere sicherheitshalber alles.
Man weiß schließlich nie, wann Kenntnisse über den Aufbau einer Dampflokomotive noch einmal dringend gebraucht werden.
Zwischen den alten Zügen entdecken wir Güterwagen, Personenwagen und einen blauweißen Triebwagen, der im Schatten der Bäume auf seine nächste Fahrt zu warten scheint.
Die wird vermutlich nicht mehr stattfinden.
Aber genau das gefällt mir an diesem Museum. Die alten Fahrzeuge stehen nicht fein säuberlich poliert hinter Absperrungen. Man kann um sie herumgehen, ihnen ziemlich nahe kommen und an manchen Stellen sehen, dass viele Jahre Eisenbahngeschichte ihre Spuren hinterlassen haben.
Aus unserem geplanten kurzen Rundgang wird jedenfalls nichts.
Wir bleiben viel länger.
Irgendwann ist mein Kopf ausreichend mit Dampfkesseln, Kohle, Ventilen und Pleuelstangen gefüllt und es wird Zeit für eine Pause.
Von vorn sieht das Café auf dem Gelände eher zweckmäßig aus. Doch auf der Rückseite entdecken wir eine schattige Terrasse, von Bambus umgeben.
Dort sitzen einige ältere Griechen.
Sie trinken Kaffee, unterhalten sich und reden dabei mindestens ebenso viel mit den Händen wie mit dem Mund.
Sehr griechisch.
Sehr schön.
Wir bestellen Café frappé.
Dabei lernen wir, dass Frappé angeblich hauptsächlich von Touristen getrunken wird.
Nun gut. Mir schmeckt er.
Und schließlich bin ich Touristin.
Nach so viel Eisenbahngeschichte wollen wir wissen, wohin die Schienen eigentlich führen.
Also verlassen wir den Park und folgen dem Weg durch die Stadt.
Er führt tatsächlich bis hinunter zum Hafen. Dort stehen wir schließlich an der Stelle, an der die Gleise endeten. Ganz in der Nähe steht noch ein uraltes Lagerhaus.
Where the Tracks End
A railway museum was not exactly at the top of my list of things to see in Kalamata. But once we were there, I was surprised by how interesting it was.
Old steam locomotives, carriages and railway equipment stand in a beautiful green park with shady trees and even a small pond. Some of the locomotives can be entered, and with Hans as my personal railway expert, I soon learned about boilers, steam, tenders, valves and the enormous power needed to move such heavy machines.
The park itself is part of Kalamata's railway history. It occupies the former harbour railway station, and after leaving the museum we followed the old tracks through the city all the way to the port.
There we finally stood where the rails simply ended, near an old warehouse.
We had intended to spend only a short time among the trains. Instead, we stayed much longer than expected.
And afterwards there was still time for a frappé on a shady terrace surrounded by bamboo.
Apparently, frappé is mainly for tourists.
It tasted good to me.
But then, I am a tourist.



















Kommentare
Greetings to you, Andreja!
Lovely pictures !
Anna
Well, Anette, I have to tell you this delighted me, as I am rather a fan of such places, park or no park! This certainly looks wonderful in its layout and I am glad that you got to enjoy it with the knowledgeable Hans! YAM xx
Schönen Gruss zu dir in deinen tollen Urlaub!
Lieben Gruss Elke
Das gleichmäßige „Tschu-tschu-tschu“ weckte mich einmal in den frühen Morgenstunden in meiner Wohnung in Bahnhofsnähe. Wie elektrisiert schoss ich zum Fenster – natürlich musste ich nachsehen, was da vor sich ging.
Es gibt tatsächlich ein Unternehmen namens NostalgieZugReisen, von dem ich inzwischen die Newsletter bekomme. :)
Technik interessiert mich eigentlich nur, wenn es ums Überleben geht. ;) So musste ich damals sogar zu einer Fahrt mit einer Standseilbahn am Edersee überredet werden.
Eine parkähnliche Anlage in Griechenland hätte mich dagegen ebenfalls überrascht – und sehr erfreut.
Lieben Gruß!
Genieße weiterhin den sonnigen Süden, liebe Anette.
Herzliche Grüße
aus dem Taunus
von Anke