Montag, 1. September 2014

Märchenviertel Niederzwehren



Wer von euch die Stadt Kassel kennt, der denkt an Großstadtbetrieb, Kaufhäuser und Mietskasernen.

Daneben gibt es in Kassel auch sehr viele Grünflächen und wunderschöne Parkanlagen wie die Karlsaue oder den Bergpark Wilhelmshöhe, der inzwischen UNESCO Weltkulturerbe geworden ist.

Aber wer kann sich vorstellen, dass sich mitten in der Stadt ein kleines Dorf erhalten hat.






Das Märchenviertel in Niederzwehren, von dem ich berichten möchte, strahlt auf mich eine große Faszination aus. Einmal ist es der liebevoll erhalten Ortskern mit seinen alten Fachwerkhäusern, zum anderen ist es der Bezug zur Märchenerzählerin Dorothea Viehmann.


Das Viertel an sich ist um den Wehrturm der Matthäuskirche herum angeordnet und bietet viele Fachwerkhäuser in einem hervorragend restaurierten Zustand.

An den wichtigsten Gebäuden sind kleine Informationstafeln angebracht, die mich mit ein paar Eckdaten versorgen.







Die Namen einiger Straßen und Wege in diesem Gebiet erinnern an die Brüder Grimm und ihre Märchen, wie etwa die Straßennamen Märchenweg, Dornröschenpfad, Däumling, Sterntalerweg.








Mein Spaziergang durch das Märchenviertel beginnt auf dem 2013 neu gestalteten Märchenplatz am Frohnhof.

Im Februar 2009 wurde eine lebensgroße Halbbüste von Dorothea Viehmann enthüllt, die der Künstler Berahna Massoum im Auftrag des Brüder-Grimm-Museums Kassel anhand der gezeichneten Portraits Ludwig Emil Grimms erschuf. Inzwischen steht eine Kopie der Büste hier auf dem Platz.






Ich habe einen wunderbaren Ausblick auf den mittelalterlichen Ortskern.



Im Hintergrund sieht man über den alten Fachwerkhäusern die großen Wohnsilos unserer Zeit. Am Horizont erkennt ihr den Herkules.



Ab hier geht der Treppenweg hinab zum Grunnelbach.




Verträumt schlängelt sich der Bach durch`s Dorf.





Wer mag, kann sich auf den Bänken am Bachufer vor der alten Mühle niederlassen und von vergangenen Zeiten träumen.







Am Bachufer liegen die Eisernen Bücher des Künstlers Christian Friedewald.
Ob diese drei Bücher schwere Kost sind, weiß ich nicht. Nur leicht zu stemmen ist das Denkmal am Grunnelbach sicherlich nicht.

An einem Buch zählte ich 65 eiserne Seiten. Ob wohl jede Seite ein Märchen enthält?







Alles sieht sehr gepflegt aus und ist mit Blumen bepflanzt. Das ist sicher auch dem sehr rührigen Heimatverein Dorothea Viehmann mit dem ersten Vorsitzenden Klaus Rasquin zu verdanken.





Das erste Fachwerkhaus im Märchenweg wurde durch Dorothea Viehmann bekannt, die mit ihrem Mann Nicolaus Viehmann das Gebäude von 1787 bis 1798 bewohnte. 1777 heiratete Dorothea Pierson den Schneider Nikolaus Viehmann und zog mit ihm im Jahre 1787 nach Niederzwehren. Deshalb bekam das Haus die Bezeichnung "Märchenhaus" und die Mittelstrasse wurde in Märchenweg umbenannt. An der Ostseite ist eine Büste der Dorothea Viehmann und eine Tafel angebracht. Das zweistöckige Fachwerkhaus ist etwa 250 Jahre alt und in Privatbesitz.











Auch an dem Haus in der Brüder-Grimm-Straße wird auf die ehemalige Bewohnerin hingewiesen.


Hier wohnte die Märchenfrau mit ihrem Mann von 1798 - 1815 im eigenen Fachwerkhaus.

Nach dem Tod ihres Mannes sorgte sie für sich und ihre sieben Kinder, indem sie Produkte ihres Gartens auf dem Markt verkaufte. 1813 lernte sie die Brüder Grimm kennen und erzählte ihnen über 40 Märchen und Märchenvariationen zu mindestens 36 Märchen der Brüder Grimm.
Sie wohnte hier in Niederzwehren 28 Jahre ihres Lebens.





Diese Haustür zeigt das Motiv des Märchens die Kluge Else.





Im kleinsten Haus des Ortskerns wohnte eine Großfamilie mit 8 Personen. 


Selbst der Blick ins Fenster wirkt märchenhaft.




Daran schließt sich der ehemalige Gasthof die Knippe an. 


Heute sind  aus dem großen Haus von damals zwei Häuser mit getrennten Eingängen geworden.












Aber es gibt auch moderne Zeitzeugen im Dorfkern.

Hier hat sich wie an vielen Orten in Kassel Josef Beuys mit seinen Basaltstelen und Eichen (es sind nicht immer Eichen) verewigt.




So, genug gewandert. Ich lasse mich jetzt in einem der romantischen Hinterhöfe nieder und genieße die Ruhe mit einem Märchenbuch der Gebrüder Grimm.

Kommentare:

Tina/Bellazitronella hat gesagt…

Hej Anette,
einen schönen Dienstag wünsche ich Dir.

Die Fachwerkshäuser haben es mir besonders angetan....

Viele, viele Grüße
und danke fürs mitnehmen nach Kassel

Tina

Ein Dekoherzal in den Bergen hat gesagt…

ohhhhh wos für ein scheeeener
AUSFLUG. i glab i dat ah mit offenenen
MUND do steh und lei mehr staunen
i mog ja selle HÄUSA so gern,,,
hob no an feinen TOG und
DANKE für de liaben WORTE vom letzten mal
bis bald de BIRGIT

Ida - Garten-Keramik hat gesagt…

Liebe Anette
Das ist ja schön, was du uns da zeigst. Und das Mitten in der Stadt. Einmalig. Märchen ... hach ich schwelge. Ich mag Märchen, mochte sie schon immer und bereits im Vorschulalter habe ich jedes Märchenbuch geradezu verschluckt!
Liebe Grüsse und danke dir herzlich für diesen märchenhaften Einblick.
Ida

Margeraniums Gartenblog hat gesagt…

Einfach märchenhaft!!!
Viele Grüße von Margit

Lisas Gartenwelt hat gesagt…

hallo Anette,

danke für diesen wunderbaren Beitrag. Da ist wirklich die Zeit stehen geblieben. Diesen Spaziergang habe ich sehr genossen.

Liebe Grüße
Lisa

Margrit hat gesagt…

Da sieht es ja idyllisch aus. So wie früher.

Viele Grüße
Margrit

Gardens at Waters East hat gesagt…

Such and interesting tour. Love the buildings - always did love old homes. Thanks for the posting. Very nice indeed. Jack

G. Kaiser hat gesagt…

liebe Anette,
das war für mich ein wunderschöner Spaziergang und sehr lehrreich und interessant.
Ich mag Märchen sehr gern.
Vielen Dank fürs Mitnehmen.
liebe Grüße
Gerti

Alexandra Gall hat gesagt…

Liebe Anette,
wie märchenhat schön! Im Märchenviertel würde ich gerne einmal vorbeischaun. Ich war mal mit den Kindern im Märchenturm bei Frau Holle, die auch ganz wunderbare Märchen erzählt hat.
Liebe Grüße Alex