Hanstein und Teufelskanzel. Eine Wanderung mit Aussicht auf das, was man nicht sieht



Zu Hause taut der Schnee langsam weg. Auf unserem Wanderweg offenbar nicht.

Verschneiter Waldweg bei Hanstein

Die HSV Hedemünden Wandersparte hatte zur Tour Hanstein Teufelskanzel eingeladen und der Winter hatte beschlossen, uns das Erlebnis noch einmal in voller Pracht zu servieren. Wir stapften unter Leitung von Catharina, sie ist zertifizierten DWV-Wanderführerin und einfach nur Klasse, über weite Strecken durch bis zu 20 Zentimeter Schnee. Der anfängliche Regen gab zum Glück schnell auf. Wir blieben trocken. Zumindest von oben.

Zwei Personen, die auf einem verschneiten Waldweg wandern.  Der Weg ist mit Schnee bedeckt und weist Spuren von früheren Wanderern auf. Die Szene spielt in einem Wald mit kahlen Bäumen,

Nicht weit vom Parkplatz saß er schon da, als hätte er Dienst. Eine Teufelsfigur aus Bronze, lebensgroß, auf einem Sandstein am Parkplatz beim Gut Rothenbach. Eingeweiht wurde der Bronzeteufel 2022, geschaffen vom Künstler Jochen Müller aus Quedlinburg.
Ich mag solche Figuren. Sie sagen ohne viele Worte: Ab hier wird es interessant. Oder anstrengend. Oft beides.
eufelsfigur aus Bronze, lebensgroß, auf einem Sandstein am Parkplatz beim Gut Rothenbach. Eingeweiht wurde der Bronzeteufel 2022, geschaffen vom Künstler Jochen Müller aus Quedlinburg.

 Nachdem wir den imposanten Teufel zurückgelassen hatten, ging es durch den verschneiten Wald gefühlt ständig bergauf. Der Himmel war erst grau, dann zeigte er plötzlich ein kleines Stück Blau. Und genau darunter tauchte sie auf, fast wie bestellt.

Burgruine Hanstein

 Die Burg Hanstein.

Die Burgruine Hanstein liegt bei Bornhagen im Eichsfeld und gilt als eine der größten Burgruinen Mitteldeutschlands. In den Quellen wird eine Zerstörung einer Burg an dieser Stelle bereits für das Jahr 1070 erwähnt.
Spannend ist auch die Lage nahe dem Dreiländereck Thüringen, Hessen und Niedersachsen. Von den Türmen hat man bei klarer Sicht ein richtiges Panorama. In DDR Zeiten diente der Nordturm zeitweise sogar als Beobachtungsposten wegen der Nähe zur innerdeutschen Grenze.
Und ja, auch die Filmwelt war schon da. Teile des Films Der Medicus wurden auf Burg Hanstein gedreht.
Winterlandschaft
 
Unsere Wanderung führte weiter durch den Schnee. Ich merkte, wie viel Kraft dieses Waten kostet und war ziemlich froh, dass wir keinen Abstecher zur Burg eingeplant hatten. Man muss ja nicht jeden romantischen Impuls sofort in die Tat umsetzen.

Im weiteren Verlauf erreichten wir den Werrablick. Wir erblickten allerdings nichts. Dichter Nebel verhinderte jeden Ausblick auf die sonst so schöne Landschaft. Damit ihr euch vorstellen könnt, was wir nicht sahen, hier ein Foto von einer früheren Wanderung in derselben Gegend.
Teufelskanzel, einen Aussichtspunkt in der Nähe von Lindewerra, der einen malerischen Blick auf eine hufeisenförmige Biegung der Werra bietet.  Der Aussichtspunkt befindet sich auf einer Höhe von 452 m ü. NN.

Das Bild entstand am 14.10.2007, die Landschaft hat sich seitdem nicht verändert.

Ab hier ging es nur noch bergauf. Immer wieder wurden wir von Teilnehmern eines Trailmarathons überholt. Sie kamen, sahen, siegten und verschwanden wieder im Nebel. Es sah aus, als würden sie auf einem anderen Untergrund laufen als wir.

Winterlicher Wald, der durch Nebel und Schnee eine stimmungsvolle Atmosphäre hat.



Praktischer Nebeneffekt: Die Läufer traten den Schnee etwas fest, was uns das Gehen erleichterte. Bis es bergab ging. Dann war der schmale Pfad plötzlich eine eisige Rutschbahn. Man kann eben nicht alles haben.

Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir die Teufelskanzel. Ein großes Steinplateau aus Buntsandstein, oberhalb von Lindewerra, auf etwa 452 Metern Höhe. Normalerweise hat man von dort einen tollen Blick auf die Werraschleife. Den blauen Himmel konnten wir erahnen. Immerhin.
Wir hatten statt Aussicht eine sehr dichte, sehr weiße Wand. Auch schön. Auf eine minimalistische Art. 

Berghütte Teufelskanzel


Zum Glück wartete die Berghütte. Urgemütlich, warm, und da war sie: eine kräftige Linsensuppe.



Frisch gestärkt ging es später zurück. Das Wetter änderte sich langsam. Was oben noch Schnee war, wurde weiter unten zu Schneematsch. Der Winter verabschiedete sich also doch noch, nur eben in Etappen. Statt von Trailrunning-Teilnehmern überholt wurden wir hier von absolut knuffigen Hochland-Rindern  begutachtet.
Schottisches Hochlandrind (Highland Cattle).

Am Ende freuten wir uns, diese Schneewanderung erlebt zu haben. So hoch liegt der Schnee hier selten. Und worüber wurde am meisten gesprochen?
Über genau zwei Dinge: unsere Beine und die Frage, wie lange uns der Muskelkater an diese sehr schöne Tour erinnern wird.

verschneite Landschaft



Yesterday I joined a hike organized by the HSV Hedemünden hiking group
The route Hanstein and Devil’s Pulpit was about 11 km long and felt like a full winter workout
While the snow in Hedemünden is already melting, our trail was still covered with up to 20 cm of snow, so we kept trudging through it step after step
The rain stopped quickly, which was nice, because we were wet enough from below anyway

Near the parking area we met the first “highlight”
A devil statue sitting on a rock, clearly supervising the whole adventure
After that it was mostly uphill through a snowy forest until a small patch of blue sky appeared and, perfectly framed beneath it, Burg Hanstein showed up

Then came the Werrablick
We saw absolutely nothing
Dense fog hid the entire view, so I added an older photo to show what we did not see

On the way up we were repeatedly overtaken by trail runners who seemed to float over the snow
They kindly packed the snow down for us, which helped a lot
Until the steep descent, where their neat track turned into an icy slide

Right on time for lunch we reached the Devil’s Pulpit
A broad rock plateau that normally offers great views
If there is no fog
We ignored the devil legends for a moment and headed straight to the cozy hut nearby, where a hearty lentil soup was waiting
After the break we walked back down into slowly changing weather and, lower on the trail, into classic snow slush

In the end we were happy to have experienced a real snow hike
And yes, the big question afterward was not “What did we see”
It was “How long will the muscle ache last”





Kommentare

Yamini MacLean hat gesagt…
Hari Om
Something I can only dream of making now, as I require rolling walker and any distance is mountainous. Thank you for sharing the trip! YAM xx