Kofuku no niwa, wo die Zeit langsamer wird

 

Zwischen Bonsai, Koi-Teich und geharkten Kiesflächen entdeckte ich im Japanischen Garten von Bad Langensalza vor allem eines: die wohltuende Kraft der Stille.

Mein allerbester Freund  hat ein neues Hobby. Er möchte Zwergbäume heranziehen. Da seine Bäumchen noch jung sind und nicht ganz so pedantisch gepflegt werden wie Bonsais, nennen wir sie einfach Zwergbäume. 

Um zu sehen, wohin die Reise einmal gehen könnte, besuchten wir den Japanischen Garten in Bad Langensalza. 

Ehrlich gesagt bin ich keine große Freundin von Bonsais. Die Bäume werden in Minischalen gezwängt,  beschnitten, geformt, gelenkt und über Jahrzehnte gepflegt. Als Gartenmensch, der Pflanzen meist wachsen lässt, wie sie möchten, fällt es mir schwer, mich für diese Kunstform zu begeistern. Trotzdem gefiel mir der Garten überraschend gut.

Vielleicht lag es an einer Geschichte, die ich dort auf einer Tafel las.

Der antiken chinesischen Mythologie zufolge lagen vor der Küste geheimnisvolle Inseln, auf denen die Menschen Unsterblichkeit erlangt hatten. Dort herrschte Harmonie zwischen Mensch und Natur.

Als die chinesischen Kaiser das Geheimnis der Unsterblichkeit nicht finden konnten, ließen sie Gärten anlegen, die diesen Inseln ähneln sollten.

Später gelangte diese Idee nach Japan.

Während wir durch den Garten schlenderten, musste ich daran denken.

Die Gartenanlage soll und kann nicht die Glückseligkeit versprechen.  Aber sie kann mir die Suche und das Ziel bewusst machen und damit die ersten Schritte auf dem Weg zum Finden der Glückseligkeit aufzeigen. Vielleicht erinnert sie uns daran, was wir im Alltag oft verlieren: Ruhe, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, einfach nur da zu sein.

Wir schlenderten durch die Gartenanlage und genossen die Stille. Besonders beeindruckte mich der Kare-san-sui, der Trockenlandschaftsgarten.

Kies, Steine und Felsbrocken ersetzen dort Wasser, Berge und Landschaften. Die sorgfältig geharkten Linien wirken wie Wellen auf einem stillen Meer.

Je länger ich hinschaute, desto besser verstand ich, warum solche Gärten der Meditation dienen.

Auch das Teehaus strahlte eine wohltuende Abgeschiedenheit aus.

Eine Wartebank, ein Wasserstein zur Reinigung der Hände, Bambus und viel Grün schufen einen Ort, an dem die Welt für einen Moment draußen blieb.

Hier gelang mir etwas, das im Alltag selten geworden ist:

Ich dachte an nichts.

Wir gingen weiter zum großen Teich, der von Yatsubashi, Brücken mit Balken, die gewinkelt angeordnet sind, begehbar gemacht wird.

 Über  die gewinkelten Holzbrücken gelangten wir von einer Seite zur anderen und beobachteten die Koi, die gemächlich durch das Wasser glitten. 

Langsam wurde auch ich ruhiger. Nur die Gespräche einiger Besucher störten die friedliche Stimmung ein wenig. Mich interessierte nicht welches Eis ihnen besonders gut schmeckt. Ich dagegen beobachtete lieber die Fische.

Irgendwo zwischen geharkten Beeten und schön gestalteten Büschen fanden wir schließlich auch die Bonsais.  Ich machte viele Fotos. Die kleinen Bäumchen zu Hause sollen schließlich wissen, was später einmal von ihnen erwartet wird. 

Ob es mit über siebzig Jahren sinnvoll ist, noch Bonsais zu ziehen?

Warum nicht?

Vielleicht werden sie eines Tages unseren Enkeln gehören. Und vielleicht erzählen sie dann von der Geduld der Menschen, die sie gepflegt haben.

Am Ende fanden wir eine Bank abseits der Besucherwege.

Dort blieben wir lange sitzen.

Ohne Worte.

Ohne Pläne.

Ohne Gedanken.

Einfach nur da.

In Search of Tranquility

My best friend has recently discovered a new hobby: growing miniature trees. Since his young trees are not yet trained as strictly as true bonsai, we simply call them dwarf trees.

To see what they might become one day, we visited the Japanese Garden in Bad Langensalza.

Although I have never been a great admirer of bonsai, I was fascinated by the atmosphere of the garden. Inspired by ancient Chinese myths about islands of immortality and harmony between humans and nature, Japanese gardens invite visitors to slow down and reflect.

We wandered through carefully designed landscapes of stones, water, bridges and plants. The dry landscape garden, the teahouse and the koi pond created an atmosphere of peace and contemplation.

Eventually we found a quiet bench away from the crowds and simply sat there for a long time.

Without words.

Without plans.

Just enjoying the moment.

Sometimes that is all we really need.




Kommentare

Yamini MacLean hat gesagt…
Hari OM
Simply blissful! YAM xx
Angie's Recipes hat gesagt…
Wir haben hier auch einen japanischen Garten, aber wir waren dieses Jahr noch nicht dort. Bonsais sehen zwar schön aus, aber ich hätte mir nie selbst einen gezüchtet … das ist einfach zu kompliziert und zu zeitaufwendig.
EricaSta hat gesagt…
Die asiatische Lebensweise spricht mich persönlich mehr und mehr an, je älter ich werde. Deinen Blog fand ich im Übrigen bei Elke... per Zufall. Und freue mich hier sehr über diesen Post.
Muntere Grüße von Heidrun
J.P. Alexander hat gesagt…
Me gustan los bonsáis. Te mando un beso y te deseo un buen fin de semana.
Mari hat gesagt…
We have a very large sculpture and botanical garden near us. We have a membership so we can go wander the paths often. One of the sections is a Japanese garden and it has a lot of bonsai. I like them, but am afraid I don't have the patience to grown them. You're right about the Japanese gardens, they really are peaceful.
Carola Bartz hat gesagt…
Deine Gedanken über Bonsai kann ich gut nachvollziehen - ich lass meine Pflanzen auch lieber wachsen, wie sie wollen. Aber so ein japanischer Garten würde mir auch gefallen, gerade wegen der Stille. Plätze mit Stille sind so selten geworden - ich finde sie noch in der Wüste, wo ich sowieso sehr gerne bin.
Elkes Lebensglück hat gesagt…
Einfach nur da sein und innerlich aufnehmen, die Ruhe in sich ausbreiten lassen in so einen schönen japanischen Garten. Mit dem Bäumchen wäre für mich nichts , anschauen ja.
Jeder hat sein Hobby, mal schauen wie dein Freund damit zurecht kommt!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
Lieben Gruss Elke
Margaret D hat gesagt…
Thanks for taking us along and explaining. The photos are lovely. Eldest son started a few bonsai's years ago but he sold them. We also used to do them when we had the Nursery/Garden Center and sold them.
David M. Gascoigne, hat gesagt…
Good morning, Anette. It is interesting how the concept of gardens has evolved in different cultures around the world. Like you, I prefer a little wildness to the ordered rectilinearity of “stately” gardens. I visited Versailles many years ago, and thought the layout of those traditional French gardens distinctly unappealing. I feel as you do about Bonsai too. It has a certain charm , I suppose, a certain prettiness, but now that we know that plants can communicate via their roots and fungal networks, I feel quite sorry for trees imprisoned in pots, segregated from their rightful companions. Have a wonderful weekend. Very best wishes - David ❤️
Heike hat gesagt…
Was für ein schöner Ausflug! So ruhig und entspannend. Ich habe deinen Blogbeitrag sehr gerne gelesen.
Liebe Grüße
Heike
ellen abbott hat gesagt…
What a beautiful place. Japanese gardens are so diametrically opposed to gardens in the West. So serene, choosing to have one thing of beauty, a single flower rather than a whole bed of them. Bonsai's are beautiful, amazing, incredible but basically born of and maintained by torture,
Linda's Relaxing Lair hat gesagt…
So beautiful and soothing.
Granny Sue hat gesagt…
What a thoughtful post. I enjoyed the stroll through these gardens very much. Thank you for the reminder to be simply present. Too often my mind worries itself over "what's next?", forgetting to enjoy what is.
At 70, why not start a bonsai hobby? No sillier than me planting fruit trees at 75, knowing they will not bear for at least 5 years.
DeniseinVA hat gesagt…
Strolling around our local botanical gardens is definitely my happy place. It makes me feel totally at peace. We don’t have Japanese gardens locally but I have enjoyed them when we travel. Thank you for sharing these beautiful photos and words.
Sieghild hat gesagt…
Eine wunderbare , entspannte Reise habe ich durch deine Zeit gemacht.Herzlichen Dank. Grüße von Sieghild
Sabine hat gesagt…
Bei uns in der Nähe ist auch so ein japanischer Garten, aber weniger Bonsai, mehr beschnittene Büsche. Jetzt muss ich da wirklich noch einmal hin. Vielen Dank für die Anregung.
Meine Tochter hatte mehrere Jahre viel Energie in zwei Bonsai Bäume gesteckt bis sie einen Traum hatte, irgendwas mit Tränen und Bonsai (sie ist selten Traum empfänglich) und dann hat sie die Bäume "befreit".
Éva hat gesagt…
Liebe Anette, der ungarische Nobelpreisträger László Krasznahoraki schrieb ein Buch mit dem Titel: „Berg aus dem Norden, See aus dem Süden, Wege aus dem Westen, Fluss aus dem Osten“.
Es ist ein langer Titel, ich konnte mich nicht einmal mehr an die Reihenfolge der Wörter erinnern, obwohl das Buch in meinem Regal steht und ich es schon zweimal gelesen habe. Der Titel beschreibt, wie der perfekte japanische Garten nach den vier Himmelsrichtungen angelegt ist. Die Hauptfigur sucht in dem Roman nach diesem perfekten Garten, der ein Symbol für die verlorene menschliche Vollkommenheit ist. Es besteht Hoffnung, dass wir ihn eines Tages wiederfinden werden.
Ich wünschte, ich könnte wie du in diesem Garten sitzen. Das Beste, was mir je passiert ist, ist, dass ich jetzt an schönen wie an unschönen Orten so sitzen kann. Mit zunehmendem Alter entwickle ich die Fähigkeit, in der Stille ruhig zu sein, ohne Pläne. Ich bin glücklich darüber!
Alles Gute und friedvolle Ruhe. Éva
Designbygutschi hat gesagt…
Liebe Anette, so ein wunderschöner Ausflug.
Das erinnert mich daran, dass ich schon immer mal in diesen Garten gehen wollte:
https://www.nepal-himalaya-park.de/
Kennst du den?

Herzliche Grüße
Jutta
Hena Tayeb hat gesagt…
Looks like a beautiful garden.
Rumpelkammer hat gesagt…
ein sehr schöner Beitrag..
in einem solchen Park kann man wirklich zur Ruhe kommen
da ist wenig was einen ablenkt
Bonsais sind wirklich etwas Besonderes
und ich bewundere die "echten" die wirklich Jahrzehnte gepflegt werden
ich hazze es einmal versucht.. aber wieder aufgegeben
liebe Grüße
Rosi
C Stern hat gesagt…
Langsam mache auch ich mich wieder auf den Weg durch meine liebsten Blogs. Und habe mich hier bei Dir wieder auf wundersame Gedanken und Bilder eingelassen.
Die Geschichte des alten kleinen Ofens hat mich total gepackt - ja, so ein historisches Stück kann wahrlich Dankbarkeit auslösen, ich verstehe das sehr gut. Die Fotos der Mohnblüte begeistern mich - andernorts finden sich riesige Lavendelfelder, daran fühlte ich mich auch spontan erinnert.
Dass ein Bonsaigarten zur Ruhe führen kann, habe ich selbst schon einmal erfahren.
Liebe Grüße ins Nachbarland und einen schönen Sonntag, C Stern
Kelly hat gesagt…
Naturbelassene Gärten sind mir zwar lieber, doch die Kombination im Rhododendron-Park Bremen gefällt mir besonders. Inmitten all der Pflanzenpracht findet sich eine kleine Insel der Ruhe.

Deine Gedanken zum japanischen Garten und die wunderbaren Impressionen kann ich gut nachvollziehen. Die dahinterstehende Philosophie ist bemerkenswert, war aber – wie so vieles – ursprünglich einer begrenzten Oberschicht vorbehalten und nicht dem einfachen Volk.

Beim Bambus denke ich allerdings sofort an die Rhizomsperre – das Landkind in mir lässt sich eben nicht verleugnen. 😉

Wohltuend finde ich, dass heute die unterschiedlichsten Kulturen miteinander leben, voneinander lernen und sich austauschen können.

Lieben Gruß!
Teresa hat gesagt…
Maravilloso paseo, me encantó el jardín. Los Bonsais me gustan y hemos intentado tener alguno, es demasiado trabajo. Gracias. Besos.