Hüterin der Stille

 Manchmal entsteht in der Werkstatt etwas, das nicht einfach nur Deko sein will.  Meine neue Keramikmaske gehört eindeutig in diese Kategorie. Sie hängt da, schaut in die Gegend, sagt nichts und schafft es trotzdem, dass man plötzlich denkt: Was denkst du gerade?

Keramikmaske roh aus Ton, hell, mit Ornamenten, an Holz befestigt

Hüterin der Stille im Rohzustand. Ganz hell, ganz ruhig, und der Blick sitzt schon. 

Am Anfang war sie nur Ton. Ruhig und freundlich.

Muster, Punkte, Linien. Ein Gesicht, das sich nicht erklären muss.

Dann kamen die Details. Punkte, Linien, kleine Musterflächen wie Schutzplatten auf den Wangen. Ein Stirnzeichen. Und dieser Blick, halb gelassen, halb wissend. Spätestens da war klar: Das wird keine niedliche Maske. Das wird eine, die Haltung hat.

Zwischen dem ersten Entwurf und dem fertigen Stück liegt bekanntlich das Leben.

Trocknen. Warten. Nochmal warten. Schrühbrand. Glasurideen. Zweifel. Und irgendwann dieser Moment, wenn man das Teil aus dem Ofen holt und kurz den Atem anhält.
In meinem Fall lag die Maske dann im Ofen wie ein kleines Kunst Wesen auf Urlaub. Mit einer Tonrose als stillem Begleiter.


Ofenpause. Kurz bevor aus Ton endgültig Keramik wird

Ofenzeit für die Hüterin der Stille. Der Moment, in dem aus Ton endgültig Keramik wird.

Nach dem Glasurbrand war sie plötzlich nicht mehr zurückhaltend. Sie ist jetzt kräftig, glänzend und ziemlich selbstbewusst. Bernstein, Blau, dunkle Akzente. Die Musterflächen wirken wie Rüstung, aber eher für Gedanken als für Kämpfe.

Und das Beste: Sie sieht im Efeu aus, als hätte sie dort schon immer gewohnt. Als wäre sie die Wächterin über alles, was im Garten heimlich wächst.


Glanzfinale. Im Efeu wirkt sie, als hätte sie dort das Sagen

Angekommen im Efeu. Hüterin der Stille, jetzt mit Glanz.

Ich mag Stücke, die eine Geschichte andeuten, ohne sie auszuerzählen. Diese Maske ist so ein Stück. Sie ist dekorativ, ja. Aber sie ist auch ein bisschen unbequem.

Und genau deshalb darf sie bleiben.

I called her The Keeper of Quiet Things.
A ceramic mask that doesn’t try to be charming, but instantly has a presence. Even in her raw clay stage the calm gaze was already there, steady and unhurried.

Step by step she gained her markings: dots, lines, small textured panels on the cheeks, like gentle armor. Then came the kiln, that familiar mix of waiting and holding your breath, until clay turns into something permanent.

After glazing she changed completely. Copper tones, deep blues and dark accents gave her confidence and shine. Outside in the ivy she looks as if she has always lived there, quietly watching, saying nothing, and somehow making everything around her feel more still.


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