Wobei ich das Wort arbeiten im Garten eigentlich gar nicht mag. Arbeit klingt nach Pflicht, nach Uhrzeit. Im Garten gibt es höchstens Tätigkeiten. Und wenn ich sie jemals als Arbeit empfinden würde, wäre das ein sehr deutliches Zeichen, dass ich dringend etwas anderes machen sollte. Zum Beispiel Kaffee trinken und Blüten anschauen. Am besten beides gleichzeitig.
Früher war ich im Frühling fest in der gelben Abteilung. Narzissen, Forsythien, Sonne auf der Haut, dieses ganze freundliche Gelb, das sofort gute Laune macht. Gelb ist die Farbe, die einem ins Gesicht sagt: Nun komm schon, so schlimm ist es nicht. Und dann, ohne große Vorwarnung, passiert es jedes Jahr aufs Neue. Plötzlich ist alles blau.
Überall im Garten finde ich blaue Blüten, als hätte sich jemand heimlich auf eine Farbpalette geeinigt. Und natürlich fängt es ausgerechnet dort an, wo man es fast übersehen würde: unter dem Bambus im Schattenbeet. Dort wächst eine ganze Kolonie Leberblümchen, Anemone hepatica. Wahrscheinlich schon sehr lange, seit den früheren Gartenbesitzern. Diese Farbe ist wirklich unvergleichlich. Und wenn man genauer hinsieht, merkt man: Die kleinen Schönheiten haben sich nicht nur eingerichtet, sie haben sich vervielfacht. Wieder sind kleine Pflanzen dazugekommen.
Dass sie sich hier wohlfühlen, wundert mich kaum. Auch in den umliegenden Buchenwäldern blühen Leberblümchen an vielen Stellen. Der kalkhaltige Boden scheint ihnen zu gefallen. Und als wäre das nicht genug, tauchen auch noch die Sternhyazinthen auf, Chionodoxa, in Hülle und Fülle. Diese kleinen blauen Frühlingsblümchen haben jetzt ihren großen Auftritt.
Und was mache ich.
Genau in diesem Moment, wenn alles blau wird und der Garten hübsch sein will, nehme ich die Rosenschere in die Hand. Wenn die Forsythien blühen, also jetzt, schneide ich die Rosen. Schubkarre um Schubkarre wandern die abgeschnittenen Zweige zum Sammelplatz für den Strauchschnitt. Noch kommt die Stadt regelmäßig und holt gebündelten Schnitt direkt vor der Gartentür ab. Eine echte Erleichterung, denn ich bin für vieles zu haben, aber nicht für das Schleppen von Dornenzweigen bis ans Ende der Welt.
Zwischendurch warten die Stauden in den Beeten auf ihre Kompostgabe.
Leider reicht der Kompost nie aus. Bei jeder gefüllten Schubkarre überlege ich, welcher Pflanze ich heute etwas Gutes tue. Das ist fast wie ein kleines Spiel, nur dass die Spielregeln lauten: Alle wollen, aber nicht alle bekommen. Immerhin wandern alle Pflanzenreste wieder auf den Kompost, und die Mieten sind schon wieder gut gefüllt.
Der Garten ist eben ein Kreislauf. Und ich bin darin so etwas wie die Person, die gleichzeitig Ordnung halten und sich freuen soll.
Aber genug von den nötigen Frühjahrsaktionen. Ich zeige euch lieber noch ein paar blaue Blüten, weil sie einfach zu schön sind, um sie zwischen Rosenschnitt und Kompost untergehen zu lassen.
Und dann gab es heute noch einen kleinen Zuschauer. Seht ihr die winzige Maus. Sie ist höchstens drei Zentimeter lang und war erstaunlich zutraulich. Ich frage mich, ob es eine Haselmaus sein könnte oder vielleicht doch eine Zwergmaus. Ich bin mir nicht sicher. Könnt ihr mir weiterhelfen. Was meint ihr.
The garden has turned blue and I’m supposed to work
I don’t really like calling garden time work. If it ever feels like work, I should probably stop and just drink coffee among the flowers. For years I was a spring person in yellow: daffodils, forsythia, sunshine. But then the garden changes its mind. Suddenly, everywhere I look, there are blue blooms.
In the shaded bed under the bamboo, a whole colony of hepatica, Anemone hepatica, is flowering. The colour is unforgettable, calm and bright at the same time, and it’s obvious the plants have multiplied over the years. They also bloom in many places in the nearby beech woods, the limestone rich soil seems to suit them well. And then come the little blue stars too, Chionodoxa, appearing in generous clusters all over the garden.
Of course, just when the blue show begins, I start pruning roses. Wheelbarrow after wheelbarrow of cut branches goes to the collection spot, and luckily the city picks up bundled shrub cuttings right at the garden gate. Compost is another spring topic. The beds are waiting, the compost never seems to be enough, and with every full wheelbarrow I decide who gets a treat today.
But enough about garden duties. Let’s get back to the blue blooms. And I had a tiny visitor as well: a very small, surprisingly trusting mouse, no more than about three centimetres long. Could it be a dormouse or a harvest mouse. I’m not sure. What do you think.












Kommentare