Wanderung zur Burg Scharfenstein

 


Am letzten Wochenende zuckten mal wieder meine Beine. Sie wollten sich bewegen und warteten auf den Startschuss zu einer schönen Wanderung mit dem HSV Hedemünden. Manchmal ist das ja kein romantisches Sehnen nach Natur, sondern eher ein sehr praktischer Hinweis meines Körpers. Wenn ich jetzt nicht loslaufe, laufe ich später innerlich die Wände hoch.

Diesmal starteten wir nicht früh morgens, sondern erst kurz vor Mittag. Eine gute Entscheidung. So konnten wir gleich die warmen Strahlen der Mittagssonne genießen.  Es sah nach einem wunderbaren Frühlingstag aus, so einem, der sich noch nicht festlegt, aber schon mal freundlich winkt.

Von einem kleinen Parkplatz in der Nähe von Heiligenstadt beginnen wir unsere Wanderung. Erst einmal ruhig, ein bisschen Ankommen, Rucksäcke zurechtrücken, Schuhe nachziehen, der übliche Satz „Ach, heute ist es aber herrlich“ fällt garantiert mindestens dreimal, und jedes Mal stimmt er. Dann geht es los.

Braunes Ackerfeld unter blauem Himmel, mehrere Windräder stehen auf dem Horizont

Vorbei an noch kahlen Feldern, auf denen im Moment nur die Windräder gedeihen, steigen wir stetig leicht bergauf. Links und rechts liegt die Landschaft offen da, wie eine große Bühne, auf der die Hauptdarsteller noch hinter dem Vorhang warten. Aber Kleinigkeiten sind schon da, und die mag ich besonders. Am Wegrand hängen Büsche voller wilder Clematis. Die alten Samenstände glänzen in der Sonne. Das wird natürlich ein Foto. Vielleicht auch zwei. Sicher ist sicher.


Bald grüßt unser erstes Ziel, die Kapelle Steinhagen am Dünwald, schon von weitem. Sie duckt sich unter zwei alten Bäumen und wirkt dabei so gelassen, als hätte sie schon wirklich alles gesehen. Wind, Wetter, Jahreszeiten, und bestimmt auch Wanderer, die beim Anblick der Bänke plötzlich ungeahnte Begeisterung für Trinkpausen entwickeln.

Gleich neben der Kapelle stehen einige Bänke für unsere Pause. Ich mag diese Momente, weil sie so unspektakulär sind. Kein großer Programmpunkt, nur ein Schluck heißer Tee, ein Blick in die Weite, ein kurzes Durchatmen. Und mehr braucht es manchmal gar nicht.

Im Jahre 1870 kauften die Eheleute Christian und Genovefa Waldmann den Hof Steinhagen. Sie renovierten das Gebäude und errichteten 1877 am Dünwald die Kapelle Steinhagen zu Ehren der Vierzehn Nothelfer. Zuvor stand dort ein Kreuz mit Bildern der Dreifaltigkeit und der Vierzehn Nothelfer. Von dem ehemaligen Gut sind nur noch Reste des Fundaments erhalten.

Innenraum einer kleinen Kapelle mit Altar, Kreuz und Tafeln mit Heiligennamen an den Wänden
In der Kapelle Steinhagen wird es still, Namen an den Wänden, ein einfacher Altar, und plötzlich fühlt sich die Pause nicht nach Pause an, sondern nach Ankommen.

Dann geht es weiter bergauf. Die Aussicht wird größer, die Gespräche werden etwas kürzer, und man merkt, wie die Gruppe in diesen gemeinsamen Rhythmus kommt, Schritt für Schritt, ohne Eile, aber mit Ziel.

Schließlich erreichen wir den Galgenkopf, auch Bogsbühel genannt, einen 468 Meter hohen, sehr markanten Hügel nordwestlich des thüringischen Dorfs Kreuzebra im Landkreis Eichsfeld.

Wiese mit großem Holzkreuz, Bänken und weitem Blick über Felder, eine Person beugt sich über einen Rucksack

Unter dem Kreuz haben wir wieder die Möglichkeit, eine kleine Rast einzulegen und die Landschaft zu betrachten.  Plötzlich sind die eigenen Gedanken nicht mehr so laut.

Weiter geht es an der Eulenskulpturenbank vorbei. Die Holzskulptur wurde zur Eröffnung des Walderlebnispfades 2011 aufgestellt und sieht inzwischen so aus, als hätte sie mit einem sehr ehrgeizigen Biber eine Meinungsverschiedenheit gehabt.

Diesmal machen wir keine Pause. Nicht, dass jemand denkt, wir machen einen Spaziergang. Wir wandern. Und das ist ja bekanntlich etwas völlig anderes. Also wenigstens im Kopf.

Der Weg führt weiter durch Waldstücke, dann wieder mit Blick über die Landschaft. Lange laufen wir auf dem Pilgerweg Loccum-Volkenroda. Es ist einer dieser Tage, an denen man ständig das Gefühl hat, noch schnell ein Foto machen zu müssen, weil die Sonne gerade wieder genau richtig steht.


Mal sind es die Kastanien auf dem Weg,


Oder ein Schnuller-Baum am Wegrand.

 Und während man fotografiert, merkt man, dass man automatisch langsamer wird. Vielleicht ist das mein geheimer Plan. Wandern als Ausrede fürs bewusste Schauen.

Am Nachmittag, rechtzeitig zur Kaffeezeit, kommen wir an der Sommerlinde in Reifenstein vorbei und erreichen kurz darauf die Burg Scharfenstein. Die Burg ist eine hochmittelalterliche Anlage im Eichsfeld, die im Jahr 1209 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

 Heute ist sie ein Whiskyerlebniszentrum, dazu Hotel und Gastronomie, und es gibt auch eine Kaffeerösterei.

Zwei Wanderrucksäcke und Trekkingstöcke an einer Bank, davor eine Tasse Kaffee auf Untertasse

Den Whisky haben wir nicht erlebt, aber einen Kaffee mit richtig schöner Aussicht durften wir genießen. 

Das Burgflair ist, sagen wir mal, eher modern interpretiert. Viel Betrieb, viel Angebot, viel Genusswelt. Wer mittelalterliche Stille sucht, findet sie vielleicht eher wieder draußen auf dem Weg. Wer Whisky mag, dürfte hier dagegen sehr glücklich werden.

Korbflecht Schale mit Kräutern auf einer Steinmauer, dahinter Wald und weite Landschaft unter wolkigem Himmel
Ein Korb mit Kräutern auf der Mauer, dahinter Weite bis zum Horizont, ich liebe solche kleinen Details, die eine Aussicht plötzlich persönlich machen.

Frisch gestärkt gehen wir weiter zum Aussichtspunkt Herrenberg. Ein wunderbarer Platz mit vielen Tischen und Bänken und Blick auf das Leinetal, das nördliche Eichsfeld bis hin zu den Höhenzügen des Harzes. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir sogar den Brocken sehen konnten. Bei dem Licht war das auch genau so ein Moment, wo man lieber einmal zu oft „Da, ganz hinten“ sagt, als später zu denken, man hätte es sich nur eingebildet. Bei schlechtem Wetter gibt es dort eine Hütte, und es gibt auch eine Stempelstelle.

Blick ins Tal mit Häusern, Feldern und einem langen Viadukt, im Vordergrund Zweige

Von hier aus geht es zurück zum Parkplatz. Die Beine sind zufrieden, der Kopf ist frei, und dieses angenehme Wandergefühl stellt sich ein, das man zu Hause nie so hinbekommt, egal wie bequem das Sofa ist. Am Ende trennen wir uns, einige fahren noch gemeinsam essen, andere fahren nach Hause. Schön war die Wanderung auf jeden Fall für alle. Und ich nehme mir fest vor, beim nächsten Mal weniger Fotos zu machen. Das ist natürlich gelogen.




Last weekend my legs started itching for a hike again, so I joined the HSV Hedemünden group for a wonderful springlike walk near Heilbad Heiligenstadt. Starting close to midday turned out to be perfect, sunshine, clear views, and that calm feeling you only get on the trail.

We passed open fields and climbed steadily uphill, stopping first at the small Steinhagen Chapel, built in 1877 and dedicated to the Fourteen Holy Helpers. Later we reached the Galgenkopf, a striking hill near Kreuzebra, with wide panoramas across the Eichsfeld landscape.

In the afternoon we arrived at Burg Scharfenstein, first mentioned in 1209 and now home to a whisky experience center, plus coffee and great views. We chose coffee, enjoyed the scenery, and continued to the Herrenblick viewpoint, where we were almost sure we could spot the Brocken in the distance. A lovely hike, good company, and the best kind of tired legs.







Kommentare

Linda's Relaxing Lair hat gesagt…
Beautiful photos of this magnificent place. Thank you ❤️ 😊 🙏
Kelly hat gesagt…
Nicht nur die Fotos, ebenfalls die Gedanken und Formulierungen sind ein Genuss!
Es sind schon besondere Touren mit dem Verein, das Eichsfeld reizt mit dem geschichtlichen Hintergrund.
Alle Unterlagen für den Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda liegen vor, ob ich es noch schaffe...
Jedenfalls wieder Motivation :)!
Lieben Gruß!
Margaret D hat gesagt…
Thank you for taking us along. Scenery is beautiful.
Yamini MacLean hat gesagt…
Hari OM
I, for one, am delighted that you have the urge for photography because that is exactly what I would do! Thank you for taking us along... YAM xx
Elkes Lebensglück hat gesagt…
Danke für diese Wanderung! Deine Erzählung wie du dich gefühlt hast ist immer wieder spannend und so komme ich mir so nahe dabei mit der Natru die du noch mit Fotos gestaltet hast. Wunderbar!!!!
Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
Lieben Gruss Elke
David M. Gascoigne, hat gesagt…
I am sure that the whole walk was nothing short of wonderful, Anette, and I am very happy that it didn’t become so focussed that you didn’t have time for photographs. We couldn’t have shared it with you in the same way. A good hike like this spring cleans the head. Have a great weekend. David
Duni hat gesagt…
Liebe Anette, da ich aktuell weiterhin das Sofa hüten muss, freue ich mich, dass ich zumindest virtuell diese Wanderung zur Burg durch Deine spannende und humorvolle Erzählung samt zauberhaften Fotos miterleben durfte. Herzliche Grüße, Duni
Ananka hat gesagt…
Wonderful photos. A great day out :-D
Éva hat gesagt…
Dear Anette, I can't walk much anymore, but I still walk sometimes.
A week ago I was looking for signs of spring in the forest, but there weren't any. Since then it's only been sunny and 13-15 degrees, and everything is definitely developing and changing there too.
Your pictures are very beautiful, I usually come to your blog, but I don't speak German. I hope that if I write in English, Google Translate will translate it for you.
Thank you for visiting my blog. I wish you all the best! Éva
eileeninmd hat gesagt…
Hello,
what a lovely hike! I would be happy to sit with a coffee the beautiful views!
Thanks for taking me along on your walk! Lovely photos.
Thanks for visiting my blog. Have a great day and a happy week ahead.
Lowcarb team member hat gesagt…
Isn't the scenery beautiful, a very nice hike.

All the best Jan
Helma hat gesagt…
Hallo Annette,
Das Wetter ist jetzt etwas wärmer geworden, und ich würde auch gern rausgehen :-) Schön, dass du deine Wanderung etwas später begonnen hast, das macht bei der Hitze wirklich einen Unterschied.
Deine Wanderung ist wunderschön, mit tollen Naturaufnahmen und einer schönen Bildunterschrift. Ich sehe auch ein paar lauwarme Artefakte vorbeiziehen :-)
Ich habe es sehr genossen, mit dir zu wandern.
Liebe Grüße, Helma
die Waldfee Moni hat gesagt…
Hallo liebe Anette, da habt ihr aber ein ordentliches Hündchen in der Natur gemacht. Da könnt ich auch nicht auf Proviant verzichten. Und ja, mit jedem Schritt wird es ab einer gewissen Zeit, ruhiger, leiser, Gedanken ziehen fort und der Atem fließt von selbst. Natur ist immer ein Erlebnis. Sie erdet uns, läßt uns zu uns kommen im jetzt. Hast schöne Aufnahmen mitgebracht. Ich wünsche dir noch einen gemütlichen Restsonntag und sicherlich ist Füße hochlegen und Müdigkeit angesagt. Liebe Grüße, Moni
mano hat gesagt…
eure wanderung hast du wunderbar beschrieben und fotografiert. ich weiß auch immer nicht, ab wann wandern beginnt und spazierengehen aufhört. früher bin ich immer gewandert, heute gehe ich eher spazieren - muss wohl am alter liegen.
die gegend rund um heiligenstadt kenne ich nicht gut, aber es sieht sehr schön aus und ausblicke kann ich immer gar nicht genug bekommen. das foto mit weidenkörbchen und blick in die landschaft gefällt mir so gut!
liebe grüße von mano
Stara vrtlarica hat gesagt…
Interessanter Ausflug, wunderschöne Landschaft, eine ausgezeichnete Wahl für eine Wanderung.
Cesar hat gesagt…
Presença de sol, intensa e constante na trilha e isso dá uma magia especial às suas fotos.
Me senti caminhando pela distante Alemanha.
Abraço fraterno.