Am Rautenbach

Manchmal braucht es keinen weiten Weg, um etwas zu finden. Ein paar Schritte am Rautenbach reichen völlig aus.

Kennt ihr das Gefühl: Die Sonne scheint, der Himmel ist blau und ich denke morgens schon, dass ich mich gleich nach dem Frühstück auf die Terrasse setzen möchte um die Sonne zu genießen. 

Aber--- Der Wind bläst um alle Ecken und es ist kalt.

Eine Wanderung ist ein guter Ausweg. Da stört es nicht, wenn der Schatten sich noch immer wie Winter anfühlt.

Ich treffe mich mit Wanderfreunden in Blickershausen. Von dort geht es 14 Kilometer  am Rautenbach entlang in Richtung Ziegenhagen und in einem Bogen wieder zurück an unseren Startpunkt.


Aber beginnen wir am Anfang. Blickershausen ist ein ausgesprochen hübscher, kleiner Ort an der Werra. Mitten durch das Dorf in Richtung Werra fließt der Rautenbach,  an dem wir entlang wandern wollen.


Der Bach plätschert ruhig vor sich hin.
Idyllisch schlängelt er sich durch Wiesen, die gleich hinter Blickershausen für eine romantische Landschaft sorgen. Ich bleibe stehen und höre einen Moment länger zu als sonst. Es ist kein lautes Geräusch, eher ein leises Begleiten, als würde das Wasser den Weg mit mir zusammen gehen.


Wann wohl der letzte Wanderer auf der Bank eine Pause eingelegt hat? Und wofür ist die Schippe? Seht ihr den vielen Giersch? Die jungen Blätter sind ein echtes Superfood. Aber im Garten möchte ich die Pflanze mit dem hohen Nährwert nicht haben.

Jetzt wird es ringsum etwas waldiger. Dicke Wurzeln klammern sich an eine Natursteinmauer. Wer bewahrt hier wohl wen vor dem Umfallen?
Ein paar Schritte weiter öffnet sich der Blick.
Der Weg wirkt weiter, fast einladend. Noch ist alles zurückhaltend, die Farben vorsichtig, als würde der Frühling sich nicht ganz sicher sein, wie viel er schon zeigen darf.


Kilometer um Kilometer laufen wir immer am Bach entlang. Das Wasser bleibt immer spürbar, wie ein ruhiger Faden, der  alles miteinander verbindet. Mitten in der Woche treffen wir keine anderen Menschen und haben den Weg für uns.



Jetzt ist es nicht mehr weit bis Ziegenhagen. Noch so ein kleines, liebenswertes Dorf. Fachwerkhäuser prägen das Dorf, das gut doppelt so groß wie Blickershausen ist. 


Den Berg hinauf geht es  zur Ziegenburg, die ich euch im März hier vorgestellt habe.
Wir bleiben aber noch am Rautenbach bis wir Ziegenhagen hinter uns gelassen haben.


Es blüht überall. Büsche, Bäume, kleine Blüten im Gras, überall wird der Frühling gefeiert.
Manchmal bleibe ich einfach stehen.
Nicht, weil es etwas Besonderes zu sehen gibt, sondern weil es sich richtig anfühlt. Ein kurzer Moment ohne Ziel, ohne Gedanken, nur schauen.


Besonders auffällig sind die gelb leuchtenden Schlüsselblumen.


Wir haben etwa die Hälfte unserer Wanderung gemeistert. Noch einmal fotografiere ich den leise plätschernden Bach, dann geht es hinauf in den Wald.

Es wird etwas anstrengender, denn es geht hoch hinaus. 
Es ist  erst einmal vorbei mit dem bequemen Weg. Wir kraxeln weiter auf einem schmalen Fußpfad.


Am Weg treffen wir  auf die hier  typischen Sedimentstrukturen des Buntsandsteins. Seht ihr Schrägschichtungen?  Die rötliche Färbung kommt vom Hämatit.



Die Anstrengung wird mit herrlichen Weitblicken belohnt. Ganz hinten im Tal kann ich noch Ziegenhagen sehen.
Hier im Wald gibt es mehrere kleine Quellen, die den Rautenbach  mit Wasser versorgen.


Alte verwitterte Holzstämme liegen am Weg. Sie werden von Moosen und Pilzen erobert. Warum sie wohl nicht abgefahren wurden?

Gleich neben den toten Stämmen schiebt sich neues Leben ins Licht.
Und dann merke ich, wie sich etwas in mir verändert. Alles wird ein bisschen ruhiger, ein bisschen klarer.



Nachdem wir den Wald verlassen, schauen wir auf den Freizeitpark Ziegenhagen. Über den Zaun geschaut sehen wir eine gepflegte, aus der Zeit gefallene Anlage.


A
Auch hier haben wir einen tollen Ausblick über die Landschaft.

Aber mich interessiert das Mausoleum direkt neben dem Weg. Es ist das Erbbegräbnis der Familie von Buttlar-Ziegenberg, einem schon lange hier ansässigen Adelsgeschlecht.

Die letzte Strecke unserer Wanderung führt durch Wiesen voller blühender Obstbäume. Ich könnte noch lange weiterlaufen. Aber unser Rundweg ist fast beendet. 

Wir haben den Rautenbach erreicht. 
Am Ende war es eine lange, aber keine anstrengende Wanderung. Ich kehrte mit einigen Eindrücken im Kopf, einem Gefühl der Ruhe und dem Gefühl zurück, dass es selbst auf längeren Wegen die stillen Momente sind, die in Erinnerung bleiben.

Sometimes you don’t need a destination to make a long walk worthwhile.

This time it was a longer hike along the Rautenbach, about 14 kilometres, but it never felt rushed. The path followed the water, sometimes close, sometimes at a distance, always accompanied by that quiet, steady sound.

What made the difference was not the distance, but the pace. Slowing down, stopping now and then, noticing small details along the way. A change in light, a hint of green, the simple movement of water.

In the end, it was a long walk, but not a demanding one.
I returned with a few images in mind, a sense of calm, and the feeling that even on a longer path, it’s the quiet moments that stay with you.


Kommentare

Ananka hat gesagt…
Gorgeous photos. Those little white flowers look like they are trying to spell a word! :-D