Gestern Abend war Osterfeuer. Faszinierend, wie sich Menschen um ein einziges Flackern sammeln, als wäre es das älteste und gleichzeitig neueste Osterritual der Welt. Mir gefällt diese Stimmung, aber irgendwann wurde es mir zu viel. Zu viele Stimmen, zu viele Körper, das Gedränge wurde immer größer. Also bin ich nach Hause gegangen.
Im Dunkeln ist der Garten natürlich kein Ort zum Spazierengehen. Aber ich habe gemerkt, wie sehr ich mich nach Ruhe sehne. Nach etwas, das ordnet. Und so habe ich mir für Ostersonntag etwas vorgenommen, das ganz unspektakulär klingt, aber erstaunlich gut wirkt: ein achtsamer Spaziergang durch den Garten, langsam, mit kleinen Stationen, und mit offenen Augen.
Gleich an der Terrasse fühlt sich die Luft anders an. Herber, frischer als im Haus. Ich bleibe kurz stehen, als müsste ich mich erst darauf einstellen. Von fern grüßen die Forsythien. Im vorigen Jahr habe ich sie radikal eingekürzt. Sie hatten ein zu einnehmendes Wesen. Jetzt schmollen sie noch etwas.
Ich atme langsam tief ein und genieße die am Morgen angenehm kühle Luft.
Es geht weiter. Waren die Tulpen gestern schon Rot? Nein, sie waren noch nicht da. Es ist, als wären sie über Nacht erblüht. Ich bleibe stehen und nehme die kräftigen Farben ganz bewusst wahr. Jetzt leuchten die Farben überall im Garten kräftiger, wie frisch gewaschen. Dabei hat es in der Nacht gar nicht geregnet. Die Osterfeuerbesucher konnten ungestört bis tief in die Nacht feiern.
Auf meinem weiteren Weg entdecke ich überall die kleinen Windröschen, Anemone blanda. Ich gehe in die Hocke, so dass sich die Blüten auf Augenhöhe befinden. Ich sehe, wie genau die Details sind. Die Natur hat keinen Plan, oder doch? Kann alles ohne Planung so perfekt sein?
Nun, einige Meter weiter wird es ruhiger. Ganz viel Grün, Schatten, Erde, ein bisschen Moos unter den Blättern der Winterlinge. Dieses besondere Licht entsteht nur unter großen Pflanzen wie dem Bambus im Hintergrund. Hier haben die Waldelfen ihr Zuhause gefunden. Ich atme tiefer und merke, wie mein Tempo sich von selbst beruhigt.
Wenn ich ganz ruhig stehen bleibe, höre ich mehr. Ein Vogelruf, ein Rascheln, eine Hummel summt, während sie die noch immer blühenden Nieswurz aufsucht. Irgendwo dazwischen spüre ich meine eigene Ruhe, die wieder auftaucht und sich in mir ausbreitet.
Ich streiche über ein Blatt, berühre vorsichtig eine Knospe, lasse Erde durch die Finger rieseln. Das ist der Moment, in dem der Kopf endgültig aufhört mit mir zu diskutieren.
Ich gehe den Weg zurück, ohne Eile. Vorbei an meiner kleinen Keramikhütte mit den neuen Segelschiffen im Fenster. Die Agaven davor durften gestern ihr Winterquartier verlassen und genießen jetzt den Garten genau wie ich. Der Garten hat keine Probleme gelöst, aber er hat alles wieder sortiert. Und das reicht mir heute vollständig.
Habt ihr auch so einen Ort, der euch nach zu vielen Eindrücken wieder erdet? Ist es eher die Natur, Garten, Wasser oder einfach ein ruhiger Weg?

On Easter Sunday I took things slowly. After a night full of noise and flickering fire, I felt the need for quiet. Not the kind of quiet that feels empty, but the kind that gently puts everything back in order.
So the next day I did something simple and surprisingly effective: a mindful walk through my garden. No distance, no goals, no rushing. Just a small route with a few stations along the way. At each stop I tried to notice what I could see, hear, smell and touch. A blossom close to the ground, the cooler air under the roses, the soft sounds that only appear when you stand still long enough. The garden didn’t solve anything, but it calmed everything down. Sometimes that is exactly what you need.
Now I’m curious. Do you have a place that brings you back to yourself when life feels too loud. A garden, a forest path, water, or simply a quiet corner.
Kommentare
Ich mag auch das sanfte Prasseln der Regentropfen am Fenster, aber ich kann es mir nicht aussuchen. Da ich nichts dagegen tun kann, kümmere ich mich nicht darum. Das habe ich schon gelernt, und so lassen sich meine potenziellen Probleme verringern.
Ich habe keinen Garten, ich kann nur im Wald spazieren gehen, wenn mich jemand dorthin mitnimmt, weil ich nicht gut laufen kann. Wenn ich dort bin, beobachte ich die Natur, und im Wald herrscht Stille. Nur das Zwitschern der Vögel ist zu hören, und das hat dieselbe Wirkung auf mich wie die Stille.
Neben all dem gibt es immer etwas, das mich beruhigt. Das Schreiben meines Blogs ist auch so ein Moment.
Weder die ruhige Ecke noch der Wald noch mein Blog lösen meine Probleme, aber wenn ich nichts finde, was mich beruhigt, dann wäre ich wirklich in Schwierigkeiten.
Aber so ist es nicht, denn es gibt immer eine Lösung für mich. Ich suche danach und finde sie schließlich.
Deine Blumen sind wunderschön. :)
Alles Gute! Eva
deine Worte haben mich sehr bewegt. Es ist etwas ganz Besonderes, wie aufmerksam du deine ruhigen Momente wahrnimmst und ihnen Raum gibst. Dieses Bild von deinem Sessel, dem warmen Licht und dem leisen Prasseln am Fenster hat sofort eine ganz stille, schöne Atmosphäre entstehen lassen.
Ich finde es bewundernswert, wie du für dich Wege gefunden hast, zur Ruhe zu kommen, auch wenn nicht alles so möglich ist, wie man es sich vielleicht wünschen würde. Diese Fähigkeit, sich selbst kleine Oasen zu schaffen, ist eine große Stärke.
Und wie schön, dass dich auch der Wald berührt, wenn du dort sein kannst. Vielleicht tragen dich diese Erinnerungen ein kleines Stück weiter, auch an den Tagen, an denen du zu Hause bist.
Dass dein Blog für dich ein solcher Ort geworden ist, kann ich gut verstehen. Schreiben kann viel Halt geben und verbindet uns auf eine leise, aber sehr wertvolle Weise.
Danke, dass du das hier geteilt hast.
Alles Liebe für dich Anette
Ich habe dir gar nicht geschrieben, wie viel Freude mir das Lesen von Blogs bereitet und wie sehr ich die Freundschaften unter Bloggern schätze. Stell dir vor, du bist mittendrin! :) Das bedeutet natürlich, dass ich mich freue, dich zu lesen, dass du in meinem Blog schreibst, dass du mich verstehst und ich dich.
Kurz gesagt: Schön, dass ich dich gefunden habe. Eva
I live on the coast, so walking on along the shore tends to bring the calm ... but if am out and about, am equally soothed by forests, gardens, mountains... so nature at large! YAM xx
Ich wünsche dir noch einen schönen Ostermontag!
Liebe Grüße von Doris
Herzliche Grüße und noch einen schönen Ostermontag 🐣🌿🐇☀️
Elke
wie gerne bin ich mit Dir durch Deine Gartenwelt gegangen und bin ganz ruhig dabei geworden. So schön und fernab vom Rummel. Zum Osterfeuer sind wir am Samstag nicht gegangen, war schon in den letzten Jahren immer zu laut und der Qualm tut auch nichts gutes für die Lungen. Sehr schön sind Deine Figuren im Garten. Jeden Morgen mache ich einen Gang durch unseren Garten und es gibt immer soviel zu entdecken. Mein Lieblingsplatz ist unter dem Rosenbogen im hinteren Garten, der von zwei Kletterrosen umrankt wird. Noch blühen sie nicht, aber ihr Laub wird zusehends mehr und dichter. Die kleine Holzbank darunter bleibt das ganze Jahr dort stehen und so setze ich mich auch gerne dorthin, wenn es kalt ist. Ein wärmender Tee oder Kaffee ist ein Muss und natürlich meine Handarbeiten und es ist still um mich herum. Nur das Zwitschern der Vögel erfreut mein Herz und der reale Lärm ist weit weg. Heute scheint hier die Sonne und das Thermometer zeigt +14 Grad an, also nichts wie raus in den Garten zum 2. Spaziergang...
Ich wünsche Dir einen schönen 2. Osterfeiertag und schicke liebe Drosselgartengrüße mit.
Traudi.🌞🌸
das war ein schöner Spaziergang, ich bin gerne mitgelaufen. Endlilch wird die Natur bunter; ich freue mich über jedes Blümchen.
Ich wünsche dir noch einen schönen Rest-Ostermontag.
Liebe Grüße
Traudi
Mein letztes Osterfeuer: I war vielleicht 5 und mein Vater zwang mich eine Fackel zu tragen. Ich habe so lange und laut geheult, bis meine Mutter mich "befreit" hat - dann lieber Garten oder wie jetzt: Balkon!
Ich finde die neue toom-Werbung mit Jochen ganz super, habe ich hier verlinkt. GARTEN! GARTEN! GARTEN! :-) ... (Balkon, Balkon, Balkon) - Auf den Frühling!