Werkstattgeschichten: ein neues Keramiktier

Bei mir beginnt ein neues Keramiktier nicht mit einer großen Idee, sondern mit einem ganz schlichten Moment: Ton auf dem Tisch, Werkzeug daneben, ein paar Formen im Kopf, die noch nicht wissen, wie sie am Ende heißen werden. Da ist noch alles offen, und genau das macht es so beruhigend.

Zuerst wird der Ton vorbereitet und ausgerollt. Eine Form entsteht, eher grob, eher als Versprechen. Ich lege die Teile hin, schaue sie an, drehe sie ein wenig, vergleiche Proportionen. Das ist der Moment, in dem ich merke, ob es stimmig wird. In meinem Kopf ist es schon ein Insekt, auf dem Tisch ist es noch einfach nur Ton. Und trotzdem fängt es genau da an, lebendig zu werden.

Dann kommen die Details. Ich mag diese Phase besonders, weil man dabei automatisch genauer wird. Linien werden gezogen, Flächen gegliedert, kleine Elemente aufgebaut. Es ist fast wie Zeichnen, nur dass der Strich nicht auf Papier landet, sondern in einem formbaren Material. Wenn man zu hastig ist, rächt es sich. Wenn man ruhig bleibt, fügt sich plötzlich alles.

Irgendwann sitzt die Grundform. Dann kommt der Teil, der wie Handarbeit aussieht, aber in Wahrheit Geduld ist: glätten, nacharbeiten, Kanten klären, Übergänge schöner machen. Für Außenstehende wirkt es manchmal, als würde ich immer wieder an denselben Stellen herumfummeln. Was stimmt. Genau da entscheidet sich, ob es am Ende nach „gemacht“ aussieht oder nach „gewollt“.

Schließlich entstehen zwei Tiere. Als die Tonfiguren dann trocknen, ist erst mal Pause. Die kleinen Keramikfalter liegen da, als müssten sie erst einmal darüber nachdenken, wo sie später hinwollen. Erst mal geht es in den Ofen, der erste Brand. Und ich denke mir währenddessen schon Farben aus. Denn irgendwann, nach dem 2. Brand, kommt der Moment, in dem der Falter wirklich seinen Charakter bekommt. Nach dem Glasurbrand ist es immer spannend, den Ofen zu öffnen. 

Und dann ist es so weit. Aus dem Ton sind Gartenbewohner geworden. Draußen im Gras wirken die Tiere plötzlich ganz passend, als hätten sie schon immer dorthin gehört. Die Objekte verlassen die Werkstatt und bekommen eine Umgebung. Licht, Grün, Wind, echte Welt.

Am Ende sind es genau diese Arbeiten, die mich immer wieder glücklich machen. Sie sind nicht schnell und nicht perfekt. Aber sie sind echt. Und sie erzählen eine kleine Geschichte, von der ersten Form bis zu den  fertigen Tieren, die jetzt draußen sitzen und so tut, als wären sie ganz zufällig dort gelandet.

Und jetzt seid ihr dran: Schaut ihr beim Handwerk lieber auf das Ergebnis oder mögt ihr auch die Zwischenschritte. Was interessiert euch mehr, das fertige Keramiktier im Garten oder den Weg dorthin.


Sometimes a new ceramic creature does not start with a big plan. It starts with clay on the table, a few tools nearby, and a shape that is still only a promise.

First I prepare and roll the clay, then I cut and form the main parts. At this stage it is still just clay, but in my mind it already has a personality. The best part comes next: adding details, carving lines and patterns, smoothing edges, and slowly bringing the piece to life. It is a quiet kind of work. If you rush, the clay will tell on you. If you stay patient, everything begins to fit.

While the piece dries, it feels like a pause, as if it is waiting for its next chapter. And then, after firing and glazing, it finally becomes what it was meant to be: a small garden creature. Outside in the grass and light it suddenly looks completely at home, as if it has always belonged there.

Do you enjoy seeing the process as much as the finished piece. Which part fascinates you most, the making or the final moment.

Kommentare

C Stern hat gesagt…
Guten Abend! Wie ich sehe, bin ich hier gut auf der Website einer Künstlerin und Naturliebenden gelandet.
Ich teile ebenso die Freude an Stille und Achtsamkeit. Gerade fühle ich mich wieder daran erinnert, in den letzten Wochen kam beides etwas zu kurz in meinem Leben.
Lasse einen ersten lieben Gruß aus Österreich hier, C Stern
Yamini MacLean hat gesagt…
Hari OM
I love these - resembling cicadas... the process is why any of us do a hobby craft, surely. The end product is simply the reward for that effort. For me, it is working with yarn, crochet, Tunisian, knitting... creating is placing something of oneself to the outside... YAM xx
Spare Parts and Pics hat gesagt…
You are very talented. It's fun to see the process!
Jutta hat gesagt…
Liebe Anette,
deine zwei Falter sehen wunderschön aus. Das ist wirklich Tonkunst und du hast sie auch perfekt platziert.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
Jutta
Tom hat gesagt…
...I envy your ability to work with clay, this is something that I'd love to do. I create bonsais and would like to make pots. Perhaps in my next life!!!
Éva hat gesagt…
Liebe Anette,
ich mag den Weg bis zum letzten Moment. Wenn ich mein Ziel erreiche, freue ich mich über den Erfolg, aber die Freude währt kürzer als der Weg selbst.
Was mache ich danach? Ich suche mir etwas Neues, um die Freude am Prozess wiederzuerleben.
Ein etwas anderes Beispiel: Ich genieße auch die Adventszeit und liebe Weihnachten, aber mir fehlt die Schönheit des Wartens. Denn auch das Warten im Advent ist ein freudvoller Prozess.
Ich habe es am Ende meines Kommentars stehen gelassen, um das Geschöpf im Garten zu loben, denn ich möchte, dass dieser Satz von mir euch noch eine Weile begleitet, bevor ich mich verabschiede.
Herzliche Grüße, Éva
Linda's Relaxing Lair hat gesagt…
Dear Annette, what beautiful and creative pieces! Beautiful art!