Rittersporn und Kletterrosen


Eigentlich sollten die Ramblerrosen die Hauptrolle spielen. Doch in diesem Jahr stehlen ihnen die leuchtenden Rittersporne überraschend die Schau.

10 Tage habe ich keine Bilder aus dem Garten gezeigt.

 Der letzte Offene Garten fand zwischen Wolken und Sonne statt. Die Wolken sorgten dafür, dass sich die Besucher nicht im Massen eingefunden hatten. Schade, es hätten mehr sein können. Doch schön war es trotzdem. Ich hatte Zeit für Gespräche und konnte sogar gemeinsam mit lieben Gästen einen Kaffee trinken.

 Beim Offenen Garten zeigten sich die Kletterrosen noch etwas zögerlich. Aber jetzt sind sie voll erblüht.


 Und während die Ramblerrosen nun ihren großen Auftritt haben, leuchten zwischen ihnen die blauen Blütenkerzen des Rittersporns.
Diesmal teilen sich beide die Bühne.
Und ich könnte nicht sagen, wer von beiden schöner ist.

Bei der guten Wasserversorgung durch den häufigen Regen sind die Stauden enorm gewachsen. Und sie blühen in so vielen verschiedenen Blautönen. Alle Gartenbesucher sind verzaubert von der Leuchtkraft der Farben. Da in diesem Jahr auch die Samen sehr gut keimten, konnte ich inzwischen über 40 Jungpflanzen verschenken. Für mich blieben noch genug übrig. Die kleinen Rittersporne wachsen jetzt zwischen Zwiebeln und Roten Beten. In den Blumenbeeten ist gerade kein Platz. Aber das wird sich noch ändern.


Hier auf dem Bild zeige ich euch die verschiedenen Blütenfarben.


Wenn ich durch den Garten gehe und die verschiedenen Blautöne betrachte, fällt es mir selbst schwer zu glauben, dass all diese Pflanzen auf zwei kleine Sämlinge zurückgehen.

Dabei begann die Geschichte denkbar unspektakulär.

Ein Zufallsgriff, es hätten auch Stiefmütterchen sein können, aber nein, ich wurde vom leuchtenden Blau der Samentüte "Delphinium" magisch angezogen und griff zu.

Rittersporn, möglichst groß, lockte mich schon länger. Immer wieder kaufte ich eine Pflanze um dann festzustellen, dass sie recht mickrig aussah, niedrig blieb und nach ein, zwei Jahren verschwand. Zwei Samen aus meiner Wundertüte wuchsen zu kleinen Pflänzchen heran, überlebten den Winter und erfreuten mich im folgenden Sommer mit ihren dunkelblauen Blütenrispen. Sie waren deutlich kräftiger als die bisher gekauften fertigen Pflanzen. Um selbst Samen zu erhalten, nahm ich die braunen Samenschoten der verblühten Pflanzen ab, ließ die darin enthaltenen Samen in ein altes Marmeladenglas rieseln und vergaß das Glas samt Samen. Aus der Aussaat im Sommer, die in Fachzeitschriften empfohlen wird, wurde also nichts. Als ich im folgenden April die kleinen schwarzen Kügelchen wiederfand, war es dann auch egal, sie kamen in eine Kiste mit normaler Blumenerde, wurden feucht gehalten und mit wenig Hoffnung beobachtet. Sie keimten sehr schnell, wuchsen flott zu kleinen Pflänzchen heran und kümmerten sich nicht um Lichtkeimung oder andere für Ritterspornkinder wichtige Angelegenheiten.


Im Spätsommer bekamen acht Pflanzen einen Platz im Garten, der Rest der Mannschaft wurde verschenkt. Seitdem bin ich vom Rittersporn-Virus befallen.
Warum die ausgesäten Keimlinge sich zu so kräftigen Pflanzen entwickeln? Vielleicht, weil sie sich von Anfang an zu Hause fühlen. Sie kennen vom ersten Tag an die besonderen Bedingungen des Gartens. Im zweiten Jahr entwickelten sich alle Rittersporne zu hohen Stauden. Deshalb vermute ich, dass sie von Delphinium elatum abstammen. Etwa fünf Jahre wachsen sie zu großen, kräftigen Pflanzen heran, dann werden sie immer kleiner und schwächer.
Alle Rittersporne im Garten stammen von den zwei Pflanzen aus der Samentüte, die ein dunkles Blau hatten. Im Laufe der Jahre sind viele Blautöne, vereinzelt Weiß und häufig Lila dazugekommen. Auch werden die neuen Pflanzen unterschiedlich groß, wenn auch die meisten 1,50 Meter schaffen. Warum sie bei mir so gut gedeihen? Das werde ich oft gefragt.
Wichtig ist es, besonders im Frühjahr sehr genau auf Schnecken zu achten. Eine Schnecke genügt um den Neuaustrieb zu vernichten.

Verfressen sind aber auch die großen Stauden. Sie brauchen eine ordentliche Portion Staudendünger und bekommen bei mir zusätzlich Kompost. Auch nachdem die erste Blüte abgeschnitten wurde, möchten sie gern gefüttert werden. Auch etwas Hornspäne als Nachtisch mögen sie sehr gern.
Ja, und wer viel isst, muss auch viel trinken. Zumindest beim Rittersporn ist das so. In den vergangenen  Wochen bekamen sie jeden Abend eine kräftige Dusche auf den Wurzelbereich, wobei ich die Pflanze selbst gern trocken halte.
Eigentlich wollte ich euch heute die Ramblerrosen zeigen.

Daraus ist nun ein Beitrag über Rittersporn geworden.
Aber so ist das im Garten.
Man macht Pläne, und die Pflanzen entscheiden etwas anderes.
In diesem Jahr gehören die lautesten Ovationen jedenfalls nicht allein den Rosen.
Die Rittersporne haben sich einen Platz im Rampenlicht erobert.

Roses and Delphiniums Compete for the Spotlight

Ten days without garden photos is a long time at this time of year.

While the rambling roses were still rather shy during the last Open Garden event, they are now in full bloom. Their colourful cascades of flowers transform the garden into a sea of blossoms.

This year, however, they have unexpected competition. The delphiniums are growing taller and more impressive than ever. Thanks to frequent rain and good growing conditions, they are flowering in countless shades of blue, from pale sky blue to deep violet.

What makes them even more special to me is their story. All the delphiniums in my garden originated from just two seedlings that grew from a packet of seeds many years ago. Since then, they have multiplied, produced new colours and filled the garden with towering flower spikes.

Over forty young plants have already found new homes in other gardens this year.

Originally, I wanted to write about the roses.

But gardens have a habit of making their own decisions.

This year, the loudest applause belongs not only to the roses. The delphiniums have claimed their place in the spotlight.








Kommentare

The Happy Whisk hat gesagt…
The garden is beautiful. I'm sorry that I only know how to write English. The flowers are beautiful.
Angie's Recipes hat gesagt…
In deinem Garten gibt es so viele schöne Blumen, deren Namen ich gar nicht kenne, obwohl ich sie schon oft gesehen habe.
Anke hat gesagt…
Liebe Anette,

das mit Deinen Ritterspornen ist ja der Wahnsinn, sie fühlen sich bei Dir im Garten einfach wohl, und Deine Geschichte dazu habe ich sehr gerne gelesen.

Diese Blautöne sind traumhaft schön und dann noch diese Üppigkeit, ich bin mehr wie begeistert.

Sehr schade, dass bei Deinem offenen Garten das Wetter nicht so ganz mitgespielt hat, Ende Juni hast Du bestimmt mehr Glück.

Einen wundervollen Sonntag
wünscht Dir
Anke
Margaret D hat gesagt…
Your garden is looking spectacular with all those shade, and I like your colours of blue and how you got them all growing. Well done.
Éva hat gesagt…
Liebe Anette, dein Garten ist wie ein Geschenk Gottes. In Ungarn gibt es ein Mineralwasser namens „Teodora“, was so viel wie „Geschenk Gottes“ bedeutet. Ich trinke es oft, nicht nur wegen des schönen Namens, sondern auch, weil es so gut schmeckt.
Ich war in deinem Garten, du hast so viele wunderschöne Blumen. Ich liebe die Krokusse und auch die blauen Blumen. Vor zwei Tagen haben wir Kirschen gepflückt, und neben den Bäumen waren Weizenfelder mit Kornblumen (ich hoffe, die heißen auf Deutsch so), einer blauen Wildblume. Man findet sie oft zwischen dem Weizen, zusammen mit Mohnblumen. Sie haben mich an meine Kindheit erinnert, denn da habe ich sie am häufigsten gesehen.
Vielen Dank für die wunderschönen Fotos. Herzliche Grüße, Éva aus Ungarn
Yamini MacLean hat gesagt…
Hari OM
Such statuesque beauty in blue! YAM xx
Elkes Lebensglück hat gesagt…
WAie sher ich es liebe deine verschiedenen Blumen im aufblühen zuerleben, diese Farbenvon allen und du pflegst sie auch so gut .Ich wünsche dir eine schöne Gartenzeit!
Schönen Sonntaggruss Elke
David M. Gascoigne, hat gesagt…
Your garden is no doubt a source of inspiration for many gardeners, Anette, and it is so commendable that you continue to share it with others, and derive such joy from doing so. If I lived close I would be a repeat visitor; of that you may be sure. Right now we are visiting my daughter and son-in-law at their property in the Ottawa Valley. The garden there was somewhat neglected by the previous owners, but she has made great progress in getting it back to good shape. She still works five days a week, however, so it will be a slow process. Very best wishes - David