Manchmal genügt ein einziger Blick, und plötzlich ist nicht mehr ganz klar, wer hier eigentlich wen beobachtet.
Greifvögel gehören zu den Tieren, bei denen ich automatisch zur Kamera greife. Vielleicht liegt es an ihrer Größe, an den mächtigen Schnäbeln oder an diesem Gefieder, das manchmal aussieht, als hätte jemand jede einzelne Feder sorgfältig an ihren Platz gelegt.
Wahrscheinlich sind es aber die Augen.
Die Bilder in diesem Beitrag sind übrigens nicht an einem einzigen Tag entstanden. Bei verschiedenen Besuchen im Tierpark Sababurg zog es mich immer wieder zur Greifvogelstation. Im Laufe der Zeit sammelten sich dabei erstaunlich viele Porträts an. Jetzt habe ich sie einmal zusammengesucht und festgestellt: Es sind vor allem die Augen, die mich immer wieder faszinieren.Wer einen Greifvogel durch das Objektiv betrachtet, merkt ziemlich schnell, dass diese Sache nicht ganz einseitig ist. Ich beobachte den Vogel. Der Vogel beobachtet mich. Und manchmal habe ich das deutliche Gefühl, dass er dabei wesentlich schneller zu einem Urteil kommt als ich.
Was er von mir hält, verrät er allerdings nicht.
Manche sehen neugierig aus, andere streng, würdevoll oder geradezu empört. Natürlich weiß ich, dass ich ihnen damit menschliche Eigenschaften unterstelle. Ein Greifvogel denkt vermutlich nicht: „Was will die Frau denn schon wieder mit ihrer Kamera?“
Aber manchmal sieht er verdächtig danach aus.
Ob er mir tatsächlich seine Meinung sagen wollte, weiß ich nicht. Aber zumindest sah es so aus, als hätte er einiges zu verkünden.
Der Weißkopfseeadler gehört zu den bekanntesten Greifvögeln überhaupt. Sein weißer Kopf, der mächtige gelbe Schnabel und der dunkle Körper machen ihn unverwechselbar. Besonders beeindruckend fand ich allerdings wieder den Blick.
Greifvögel können hervorragend sehen. Das müssen sie auch. Viele von ihnen entdecken ihre Beute aus großer Entfernung. Ihre Augen und vor allem ihre Netzhaut sind auf besonders scharfes Sehen spezialisiert. Bei einigen Arten gibt es sogar zwei Bereiche des schärfsten Sehens.
Während ich also noch versuchte, das Auge durch meine Kamera scharf zu bekommen, hatte mein Gegenüber vermutlich längst registriert, was sich weit hinter mir abspielte.
Was bei diesem Exemplar dort oben interessanter war als die Frau mit der Kamera, habe ich leider nicht herausgefunden.
Und trotzdem ist da diese enorme Präsenz.
Vielleicht liegt es daran, dass Greifvögel kaum etwas tun müssen, um beeindruckend zu wirken. Kein Herumhüpfen, kein hübsches Zwitschern, keine Show. Ein Blick genügt.
Bei meinen Fotos faszinieren mich deshalb besonders die Gesichter. Erst durch die Nahaufnahmen sehe ich Einzelheiten, die mir beim normalen Betrachten entgehen. Die feinen Federn rund um die Augen, die unterschiedlichen Formen der Schnäbel, die Farben der Iris und manchmal sogar einzelne wimpernähnliche Federchen.
Und dann sind da diese Gesichtsausdrücke.
Bei diesem Bild könnte man fast meinen, er hätte gerade einen ausgesprochen schlechten Kommentar über meine fotografischen Fähigkeiten abgegeben.
Zum Glück verstehe ich kein Adlerisch.
Besonders schön finde ich die Momente, in denen das Licht nur einen Teil des Vogels erreicht. Plötzlich leuchtet ein Auge, einzelne Federn bekommen einen goldenen Rand und der dunkle Hintergrund verschwindet beinahe vollständig.
Dann wird aus einem Tierfoto fast ein Porträt. Und vielleicht ist genau das der Grund, weshalb ich diese Aufnahmen so mag.
Mit der Zeit hatte ich viele Greifvögel fotografiert. Manche würdevoll, manche neugierig, manche scheinbar vollkommen unbeeindruckt von meiner Anwesenheit.
Nur bei einem Gedanken bin ich mir bis heute nicht ganz sicher.
Habe eigentlich ich die Greifvögel beobachtet?
Oder haben sie die ganze Zeit mich beobachtet?
Eyes on Me: Portraits of Birds of Prey
Whenever I visit the Sababurg Wildlife Park, I find myself returning to the birds of prey with my camera. The photographs in this post were taken during several visits over the years, but when I recently looked through them, I noticed what fascinates me most: their eyes.
Birds of prey have remarkable vision, perfectly adapted to spotting prey from a distance. Looking through my camera, however, I sometimes wonder who is actually watching whom.
Some of these birds appear curious, others dignified, stern or completely unimpressed by the woman behind the lens. Of course, that is probably just my human interpretation.
Still, those expressions are difficult to resist.
Perhaps that is why I enjoy these photographs so much. When light catches an eye or illuminates the fine details of the feathers, a simple wildlife photograph suddenly becomes a portrait.
And I am still not entirely sure whether I was observing the birds or whether they were observing me.












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