Jedes Frühjahr, am letzten Tag im März, schließt das Große Gewächshaus in Kassel seine Pforten. Fast hätte ich diesen Termin verpasst. Und dann saß ich doch noch rechtzeitig im Auto, mit dem Gefühl, dass man etwas Schönes nicht auf nächstes Jahr verschieben sollte.
Der nächste Parkplatz ist ein paar hundert Meter entfernt, also spaziere ich durch den Bergpark. Genieße die ersten Blüten unter den alten Bäumen und freue mich auf die Blütenpracht, die mich erwartet. Mein Weg führt am Schloss Wilhelmshöhe vorbei und bald steht es vor mir, dieses große Haus aus Glas und Eisen.
In den Außenanlagen wird fleißig gearbeitet. Ich war schon oft hier, und es ist jedes Mal dasselbe: alles wirkt gepflegt, durchdacht, liebevoll, als hätte jemand beschlossen, dass man das Schöne nicht dem Zufall überlassen sollte. Meine Hochachtung gilt den Gärtnern, denen wirklich kein welkes Blatt entgeht. Man ahnt nur, wie viele Handgriffe nötig sind, damit es später so perfekt aussieht.
Das Große Gewächshaus ist nicht einfach nur praktisch. Es war von Anfang an auch ein Statement. Kurfürst Wilhelm II. ließ es ab 1822 errichten, damit empfindliche Pflanzen aus wärmeren Regionen den Winter überleben konnten, und damit man sie zeigen konnte. Kassel als Bühne, Pflanzen als Kostbarkeiten, und drinnen ein Klima, das man sich draußen nur wünschen kann. Möglich wurde das durch ein ausgeklügeltes Heizsystem, das damals eine enorme Rolle spielte.
Wenn man sich die Zeit um 1822 vor Augen führt, versteht man auch den Ton dahinter. Nach den Napoleonischen Jahren und den Neuordnungen in Europa setzte vielerorts eine Phase ein, in der die alten Ordnungen wieder stärker betont wurden. Repräsentation gehörte dazu, ebenso das Bedürfnis, Beständigkeit und Macht sichtbar zu machen.
Hessen-Kassel war von der Restauration geprägt, einer Phase nach dem Wiener Kongress (1815), die durch politische Reaktion, Unterdrückung liberaler Bewegungen und die Wiederherstellung monarchischer Prinzipien gekennzeichnet war.
Ein prunkvolles Gewächshaus passt in so eine Welt ziemlich gut.
Heute ist das Haus längst kein Privatvergnügen mehr. Jetzt dürfen alle hinein, zumindest in der Wintersaison. Von Anfang November bis Ende März ist geöffnet, danach wird wieder geschlossen, und schon dieser Kalender macht den Besuch zu etwas Besonderem.
Drinnen ist das Gewächshaus in verschiedene Klimazonen gegliedert. Zuerst betritt man den etwas kühleren Bereich. Dort stehen die Kamelien, teilweise 150 Jahre alt, und für mich sind sie der Hauptgrund für den Besuch. Es ist ein unvergleichliches Erlebnis, diesen großen Blüten so nah zu sein.
Rings um die Kamelien herum strahlen und duften Frühlingsblüher. Alpenveilchen, Primeln, Narzissen, Hyazinthen, alle stehen wie aus dem Ei gepellt da.
Ich setze mich auf eine der Holzbänke und mache das, was man in solchen Räumen am besten kann: einfach nur schauen. Dieses stille Sitzen ist für mich fast der schönste Teil.
Irgendwann gehe ich weiter in Richtung Mittelteil. Dort wird es deutlich wärmer und das Tropenklima nimmt einen sofort in Empfang. Orchideen und andere Wärmeliebhaber warten schon. Was ich dort alles gefunden habe, erzähle ich im zweiten Teil.
Last day of March at the Great Greenhouse in Kassel
Every year, on the last day of March, the Great Greenhouse in Kassel closes its doors for the summer. I almost missed the date, but then I jumped into the car in time and walked through Bergpark Wilhelmshöhe, past the palace, enjoying the first blossoms under the old trees.
The greenhouse itself is a striking glass and iron structure, built from 1822 onwards under Elector Wilhelm II. It was created to protect frost sensitive plants and, quite frankly, to impress visitors. Thanks to sophisticated heating, the interior could offer a comfortable climate in the middle of winter.
Today the greenhouse is open to everyone during the winter season, and stepping inside feels like entering an early spring. The first, cooler section is home to camellias, some of them very old, and they are the main reason I come. Around them, seasonal spring flowers are arranged with the kind of care that makes everything look effortless.
I sat on a wooden bench for a while and simply watched. Later I moved towards the central part, where the air becomes truly warm and tropical plants and orchids take over. What I discovered there will be part two.














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