Raccoonie, ein neugieriger Waschbär, wird in Gedanken mein Begleiter sein. Und weil Waschbären bekanntlich ihre Nase gern überall hineinstecken, erzähle ich ihm unterwegs nicht nur von seinen tierischen Nachbarn, sondern auch von der langen Geschichte des Tierparks.
Komm mit, Raccoonie. Wir müssen ziemlich weit zurückreisen.
Dieser uralte Baumriese könnte schon erlebt haben, wie Landgraf Wilhelm IV. im Jahr 1571 am Fuße seines Jagdschlosses Sababurg einen Tiergarten einrichten ließ.
Stell dir das einmal vor, Raccoonie. Mehr als 450 Jahre sind seitdem vergangen.
Waschbären wie dich hättest du hier allerdings vergeblich gesucht. Dafür gab es Wild, das den höfischen Jagdgesellschaften vorbehalten war. Auch die lange Tierparkmauer und die großen Teiche erzählen noch von dieser vergangenen Zeit.
Nein, das Gelände diente über lange Zeit als Jagdrevier. Stattliche Rothirsche und viele andere Tiere wurden erlegt und für Bankette zubereitet.
Seltene Tiere wie weiße Hirsche dienten als Prestigeobjekte. Was meinst du? Ob es schon die lustig ausschauenden Kattas im Tierpark gab? Ich denke nicht. Die putzigen Lemuren stammen aus Madagaskar und du kannst sie im Kinderzoo sehen.
Irgendwann, etwa am Ende des 18. Jahrhunderts wurde die stattliche Sababurg nicht mehr als Jagdschloss genutzt und verfiel. In den unbenutzten Mauern hätte sich deine Waschbärfamilie bestimmt sehr wohlgefühlt.
Der Park wurde zur Pferdezucht genutzt. Siehst du die Burg? Heute wird sie vom Land Hessen aufwändig saniert.
1973 öffnete ein neuer Tierpark innerhalb der historischen Mauern seine Pforten. Im Urwildpark kannst du seitdem gewaltige Wisente sehen. Sie leben auf einem riesigen Gelände. Ihre Weide ist so groß, dass ich die Tiere an manchen Tagen gar nicht sehen kann.
Komm, wir gehen die schöne Allee entlang.
Aber zuerst machen wir einen Abstecher zu den Wellensittichen. Wenn ich den Park mit Kindern besuche, dann ist die Voliere Pflicht. Die Besucher können sich in der Voliere frei bewegen und Wellensittiche füttern.
Nachdem die Wellensittiche ihre Kolbenhirse verputzt haben, geht es weiter zum Bauernhof.
Dort leben viele Tiere, die man eben auch auf einem echten Bauernhof finden könnte. Aber weist du, kleiner Raccoonie, viele Kinder leben in der Stadt und freuen sich, wenn sie durch einen echten Stall mit Hühnern, Rindern und anderen Bauernhoftieren laufen können.
Ganz in der Nähe stehen immer einige Steinböcke herum und genießen die Sonne. Ich finde ihre Hörner sehr imposant.Lass uns lieber ein sanft blickendes Tier besuchen. Im Elchgehege geht es immer sehr geruhsam zu. Die Elche sehen immer etwas verschlafen aus.
Neben den vielen pelzigen Bewohnern gibt es auch andere. Wieder im Kinderzoo möchte ich dir die Pinguine vorstellen.
Sie scheinen ein großes Reinigungsbedürfnis zu haben. Ich könnte den guten Schwimmern Stunden lang zusehen.
Die Hunboldt-Pinguine sind sehr zutraulich. Oft schwimmen sie auf die Besucherseite ihres Wasserbeckens und lassen sich sogar streicheln. So lernen schon die kleinsten Kinder wie man behutsam und liebevoll mit Tieren umgeht.
Auch hier im Kaninchengehege können Kinder mit den putzigen Kuscheltieren vorsichtig Kontakt aufnehmen. Was sagst du? Der Tisch der Kaninchen ist reich gedeckt. Leckeres Gemüse und Getreide steht auf ihrem Speiseplan. Und du hast Hunger? Zu den Kaninchen kannst du nicht, sie würden sich erschrecken. Ich denke, ich bringe dich nach Hause.
Am Faultier vorbei bist du ruck zuck wieder in deinem Waschbärgelände. Moment mal. Das ist ja gar kein Faultier! Nur ein Erdmännchen, das offenbar einen ziemlich anstrengenden Tag hinter sich hat.
Da sind wir wieder. Deine Freundin scheint sich schon gefragt zu haben, wo du so lange geblieben bist.
Wir haben längst nicht alle Tiere besucht. Und auch die Geschichte des Tierparks Sababurg ist noch nicht vollständig erzählt. Dafür müssten wir wohl noch einmal gemeinsam losziehen.
Du hoffst natürlich, dass viele Menschen kommen werden, um dich und all die anderen Bewohner des Tierparks zu besuchen.
Keine Sorge, lieber Raccoonie. Der Tierpark Sababurg steht seit mehr als 450 Jahren an diesem Ort. Er hat Jagdgesellschaften kommen und gehen und die Sababurg verfallen und wieder erwachen sehen und aus einem herrschaftlichen Tiergarten wurde ein Ort, an dem Menschen Tieren begegnen können.
Und solange dort neugierige Waschbären auf Besucher warten, wird mir für meinen jährlichen Spaziergang wohl auch weiterhin ein guter Grund einfallen.
A Walk Through Sababurg Wildlife Park
Once a year I visit Sababurg Wildlife Park in northern Hesse. This time, in my imagination, I am accompanied by a curious raccoon called Raccoonilie.
The history of this place reaches back more than 450 years. What began as a princely game park near Sababurg Castle eventually developed into the wildlife park we know today.
As we walk through the park, past old trees and historic walls, we meet wisents, wolves, elk, ibexes, penguins, meerkats and many other animals. There is also a farm area and a children's zoo where young visitors can experience animals at close range.
Raccoonilie listens patiently to my stories about the past, although I suspect he is rather more interested in his animal neighbours.
At the end of our walk, I return my little companion to the raccoon enclosure, where his friend is already waiting for him.
We have not seen all the animals and certainly have not told the whole story of Sababurg Wildlife Park.
Perhaps that is a good reason to come back next year.























Kommentare
es ist eine Wohltat, in Deiner mit viel Feingefühl erzählten Geschichte über Euren Weg durch den Tierpark zu lesen. Ein großer Erholungsfaktor für mich.
Wir waren selbst am Wochenende in einem Tierpark - einige Tiere konnten wir gar nicht sehen, es war allerdings der Weg mit tollen Aussichten ins hügelige Umland bereits sehenswert.
Ganz liebe Grüße ins Nachbarland, C Stern
Your words, your story, your photographs ... a great combination.
Thank you.
All the best Jan
Es gab dort nur ein weißes Pferd, ein paar Hühner, Fasane und zwei Kaninchen. Die Kaninchen durfte man füttern, und das Gras war in kleinen Händen.
Das ist mein letztes Erlebnis mit Tieren und die Freude des kleinen Jungen.
Du hast viele wunderschöne Tiere gesehen, einige, die ich noch nie gesehen habe. Der Wildpark wird dir sicher in Erinnerung bleiben, und wenn die Erinnerung verblasst, kannst du ja wieder hinfahren. Deine Fotos sind wunderschön. Alles Gute! Éva