Wenn andere Pflanzen unter der Sommerhitze leiden, zeigen Sempervivum, wie erstaunlich schön Genügsamkeit sein kann.
Sie sitzen zwischen Steinen, brauchen wenig Erde und noch weniger Aufmerksamkeit. In ihren dicken Blättern speichern sie Wasser für schlechte Zeiten. Und wenn eine Rosette schließlich blüht und danach abstirbt, hat sie längst für Nachwuchs gesorgt. Rundherum sitzen schon die nächsten kleinen Rosetten.
Dabei sind Hauswurze keineswegs eine moderne Modeerscheinung. Menschen leben schon seit sehr langer Zeit mit ihnen. Bereits der griechische Gelehrte Theophrast berichtete im 4. Jahrhundert vor Christus von Hauswurz auf Mauern und Dächern. Später verbanden die Römer sie mit Jupiter, dem Gott des Blitzes und Donners. Sie nannten die Pflanze „Jovis barba“, Jupiterbart.
Selbst Karl der Große hatte offenbar etwas für die kleinen Rosetten übrig. In seiner Landgüterordnung findet sich die Anweisung, dass der Gärtner auf seinem Haus Jupiterbart haben solle. Dahinter steckte wohl nicht nur botanische Begeisterung. Hauswurz auf dem Dach sollte vor Blitzschlag schützen.
Ob Karl der Große damit tatsächlich weniger Blitzschäden hatte, kann ich natürlich nicht überprüfen.
Aber eine Pflanze, die seit mehr als tausend Jahren für Schutz und Ausdauer steht und heute bei fast 40 Grad noch ziemlich ungerührt in meinem Garten sitzt, hat meinen Respekt.
In der traditionellen Blumensprache steht Sempervivum für Lebhaftigkeit, Fleiß und Ausdauer. Vor allem die Ausdauer kann ich gut nachvollziehen.
Meine Hauswurze pflanze ich gern in selbstgefertigte Keramikgefäße. Aber eigentlich sind sie nicht wählerisch. Alte Holzkästchen gefallen ihnen ebenso gut. Sogar Schneckenhäuser und Austernmuscheln werden bei mir zu winzigen Pflanzgefäßen.
Und wenn irgendwo eine alte Tasse, eine Schüssel oder ein ausgedienter Topf herumsteht, sehe ich darin inzwischen nicht unbedingt etwas, das entsorgt werden muss.
Viel brauchen die kleinen Bewohner nicht. Ein wenig Erde, einen sonnigen Platz und vor allem ein Gefäß, aus dem überschüssiges Wasser gut ablaufen kann. Staunässe mögen diese Überlebenskünstler nämlich überhaupt nicht.
Da es in der ersten Hälfte dieses Sommers reichlich geregnet hat, haben meine Hauswurze in diesem Jahr nur wenige Blüten gebildet. Das stört mich überhaupt nicht. Ich mag sie sogar besonders gern, wenn sie einfach nur Rosetten sind.
Dann sieht man erst, wie unterschiedlich sie eigentlich sind. Manche bilden kleine feste Kugeln, andere öffnen sich wie grüne Sterne. Einige tragen rote Spitzen, andere wirken fast silbrig. Und manchmal drängen sich so viele Tochterrosetten nebeneinander, dass aus einer einzigen Pflanze ein kleines Dorf geworden ist.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich Sempervivum so gern mag.
Sie machen nicht viel Aufhebens um sich. Sie kommen mit wenig aus, suchen sich ihren Platz und sorgen ganz nebenbei dafür, dass es weitergeht.
Und während ich bei fast 40 Grad lieber im Schatten sitze und überlege, ob ich mich überhaupt noch bewegen möchte, stehen meine Semperviven in der Sonne.
Immer lebend eben.
Sempervivum: Forever Living
While many plants in my garden are struggling with the summer heat and drought, Sempervivum seems almost unimpressed. Its Latin name means “always living”, and that describes these little survivors perfectly.
Houseleeks have accompanied people for centuries. They were once planted on roofs because people believed they could protect houses from lightning. Even Charlemagne’s famous estate regulations mentioned that “Jupiter’s beard”, an old name for houseleek, should be grown on roofs.
In my garden, Sempervivum has long since left the rooftops. I plant the rosettes in my handmade pottery, old wooden boxes, discarded cups and bowls, and even in snail shells and oyster shells. As long as water can drain away, they seem happy almost anywhere.
I especially love the rosettes themselves. Some look like tiny green stars, others have red tips or silvery leaves. And before an old rosette dies after flowering, it has already produced plenty of offspring.
Perhaps that is why I like the name Sempervivum so much.
Always living. Somehow it fits.


















Kommentare
LG Angela
I love them. When I had a garden, I had several different succulents and cacti forms, and Sempervivum was definitely included! YAM xx
Lieben Gruss Elke
schade, dass Du meine Begeisterung über Deine Darbietung dieser so einfachen wie schönen Pflanzen nicht sehen kannst. Und ganz besonders gefällt mir, welche Bepflanzungsmöglichkeiten Du wählst. Der Hauswurz macht sich bestens in allen Gefäßen oder eben auch in Schneckenhäusern und Austernmuscheln.
Lasse liebe Grüße hier, C Stern