Unter einem Zelt versteckt sich die Antike

Hoch oben in den Bergen taucht plötzlich ein riesiges weißes Zelt auf. Darunter verbirgt sich ein mehr als 2400 Jahre alter Schatz.



In diesem Jahr wollte ich in Griechenland die großen antiken Sehenswürdigkeiten auslassen. Viele davon habe ich mir bereits angesehen, und einige waren zudem ziemlich überlaufen.

Aber jetzt wurde ich auf einen besonderen Ort aufmerksam: die erste griechische Stätte, die 1986 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

Das machte mich neugierig und wir fuhren nach dem Frühstück los.

Unser Ziel war der Apollontempel bei Bassae, der dem Heilgott Apollon Epikourios geweiht war.

 

An einer kleinen Kirche vorbei fuhren wir bergauf. 
Die Landschaft war wie immer grandios.

Mit den vielen Zypressen wirkt sie etwas italienisch.

Ganz allein fuhren wir durch die Bergwelt und schraubten uns immer höher.

Dann, bei etwa 1100 Metern Höhe, lugt ein riesiges Zelt hinter den Felsen hervor. Wir hatten unser Ziel erreicht.


Nein, für eine Zirkusveranstaltung wurde das Zelt nicht errichtet. Es schützt den kostbaren Tempel vor den extremen Witterungsbedingungen hier oben in den Bergen und ermöglicht gleichzeitig die Restaurierungsarbeiten.

Im Innern kann man gut das stabile Metallgerüst sehen. Zugegeben, besonders antik wirkt das Ganze dadurch nicht. Aber ohne diesen Schutz hätte der Tempel Wind und Wetter wesentlich weniger entgegenzusetzen.


Unter dem Zeltdach verbirgt sich einer der am besten erhaltenen Tempel der griechischen Antike. Er wurde vermutlich zwischen 420 und 400 vor Christus erbaut. Der antike Schriftsteller Pausanias schrieb später, sein Baumeister sei Iktinos gewesen, der auch am Parthenon in Athen gearbeitet hatte.

Besonders ungewöhnlich ist die Architektur. In diesem einen Tempel wurden dorische, ionische und korinthische Elemente miteinander verbunden. Hier befand sich auch das älteste bekannte korinthische Säulenkapitell.

Über viele Jahrhunderte lag der abgelegene Tempel weitgehend unbeachtet in den Bergen. Vielleicht ist gerade das ein Grund dafür, dass so viel von ihm erhalten geblieben ist.


Im Umfeld des Tempels liegen viele Säulenfrakmente und behauene Steine.

Die Bewohner des nahen Phigaleia glaubten, Apollon habe sie vor Pest und feindlichen Angriffen bewahrt. Deshalb verehrten sie ihn hier als Apollon Epikourios, Apollon den Helfer.



Beim Anblick der vielen blühenden Alpenveilchen rund um den Tempel stelle ich mir vor, dass  sie schon damals zwischen den Steinen geblüht haben.



Zwischen den alten Steinen sitzend spürte ich noch lange den vergangenen Zeiten nach.

Nach einem letzten Blick auf die Zeltkonstruktion ging es zurück in die Gegenwart.


Ancient Greece Hidden Beneath a Tent

This year I had not planned to visit any of Greece’s major ancient sites. I have seen quite a few of them before, and some were rather crowded.

But then I heard about the Temple of Apollo Epicurius at Bassae, the first Greek site to be added to the UNESCO World Heritage List in 1986.

High in the mountains, at about 1,100 metres, a huge white tent suddenly appears among the rocks. It is not particularly ancient looking, but beneath it stands one of the best preserved temples of classical Greece.

Built in the late 5th century BC, the temple is remarkable for combining Doric, Ionic and Corinthian architectural elements. The people of nearby Phigaleia worshipped Apollo here as “the Helper”, believing that he had protected them from plague and hostile attacks.

Today the protective structure shields the ancient monument from the harsh mountain weather.

Around the old stones, countless cyclamen were in bloom. Sitting there, I wondered whether their ancestors might have flowered in the same place more than two thousand years ago.

For a while, it was easy to forget the present.

Then one last look at the enormous tent brought me back.









 






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