Wo die Zeit keine Rolle spielt

Unter der Landschaft der Mani verbirgt sich eine stille Welt aus Wasser und Tropfsteinen, die wir zunächst mit dem Boot und anschließend zu Fuß erkunden.

Ihr habt es sicher schon bemerkt, die Landschaft der Mani gefällt mir bei unseren Ausflügen besonders gut. Deshalb fahren wir für zwei Tage runter in den Süden. Wir wollen uns Zeit lassen und haben uns mehrere Ziele ausgesucht.

Unser erstes Ziel ist die Vlychada Höhle von Diros, eine große Tropfsteinhöhle, die ich mir gerne ansehen wollte. 

Das Besondere sollte eine Bootsfahrt in der Höhle sein. Ein ganzes Stück bevor wir überhaupt die Höhle zu sehen bekamen, steht das dazugehörige Kassenhäuschen.

 Ich überlegte noch, ob ich wirklich in einer Höhle Boot fahren möchte, da kam schon das vertraute "card or cash". Die Zeit zum Nachdenken war abgelaufen, ich hatte zwei Tickets für das Abenteuer in der Hand.

Zusammen mit anderen Touristen stiegen wir alsbald ins Boot. Ich saß ganz vorne. Super zum Fotografieren. Und so musste ich nicht immer auf einen fremden Rücken starren.

Langsam glitten wir über das Wasser. Es war ganz  still. Niemand sprach, keiner bewegte sich geräuschvoll. Wie in einer anderen Welt bewegte sich unser Boot an Wänden voller Tropfsteine entlang. Dicht über uns hingen Stalaktiten in allen Größen. Sie erinnerten mich an Eiszapfen. Nur die Farbe stimmte nicht. Wie konnte es sein, dass diese verzauberte, stille Welt so spät entdeckt wurde?

Ganz unentdeckt war die Höhle nicht. Die Menschen in der Gegend kannten ihren Eingang schon um 1900. Aber erst 1949 begannen Giannis und Anna Petrocheilou, sie systematisch zu erforschen. Inzwischen sind fast 15 Kilometer Höhlengänge kartiert. Der größte Teil davon liegt unter Wasser.

Und wir glitten nun durch einen winzigen Teil dieser verborgenen Welt.

Mir fehlte jegliches Zeitgefühl. Als unsere Bootsfahrt zu Ende war, wusste ich nicht, ob sie zehn Minuten oder eine halbe Stunde gedauert hatte. Das war auch nicht wichtig.

Nun konnten wir auf einem Bohlenweg diese so andere Welt zu Fuß erkunden. Schon bald eilten die anderen Besucher davon und wir waren allein.

Wir hatten Zeit und jetzt die Höhle  für uns allein. Über uns, neben uns, überall gab es neue Formen zu entdecken.

Ja, Zeit war ein Thema, das mir durch den Kopf ging. Wie unendlich viele Jahre vergangen waren, um so wunderschöne Dinge zu erschaffen.

Die Höhle begann sich vor Hunderttausenden von Jahren zu bilden. Wasser dringt durch feine Risse im Kalkstein und erschafft Tropfen für Tropfen diese Formen. Manche Tropfsteine liegen heute sogar unter Wasser. Sie entstanden zu einer Zeit, als der Meeresspiegel noch wesentlich niedriger war.

 Und ich stand hier und versuchte, das irgendwie zu begreifen.

Durch eine geschickte Beleuchtung konnten wir jede Nische betrachten.


Wir bewegten uns nicht ständig durch niedrige Höhlengänge. Immer wieder öffneten sich über uns hohe Gewölbe, wie in einer Kirche.

Als  die Besucher der nächsten Bootsladung anfingen, uns zu überholen, verließen auch wir die Höhle.


Jetzt liefen wir den ganzen Weg zurück, aber draußen am Wasser entlang. Es war für mich spektakulär gewesen, diese unterirdische, so andere Welt zu erleben. Aber jetzt freute ich mich über den Wind, die Sonne und die Geräusche, die uns wieder auf der Erde empfingen. 

Und ich war gespannt auf unseren nächsten Zwischenstopp.

Where Time Does Not Matter

On our two day trip through the Mani, our first stop takes us into a completely different world: the Vlychada Cave of Diros.

We enter the cave by boat and slowly glide through the silence, surrounded by stalactites and strange rock formations. I completely lose my sense of time.

Parts of this huge cave system have been explored since 1949. Almost 15 kilometres of passages have now been mapped, most of them under water. The formations around us have taken hundreds of thousands of years to develop, drop by drop.

After the boat trip, we continue on foot and for a while we have this mysterious underground world almost to ourselves.

When we finally step outside again, I am happy to feel the sun and wind and hear the sounds of the world above ground.







Kommentare

Elkes Lebensglück hat gesagt…
Wie in einer andere Welt , so mystisch sieht die Tropfsteinhöhle aus und so spannend mit dem Boot , das ist der wahnsinn diese Tropsteine, was die da für Formen machten. Dass die andere Leute schnell raus wollten verstehe ich nicht aber gut für euch um in ruhe alles an zuschauen , was für Fotos ds sind faszinierend!
Hat sich doch gelohnt dort reinzugehen auch mit Eintrittgeld.
Da merkt man erst was man hat mit der Sonne und Wind und Luft , das war auch ein schöner Weg zurück draussen und deinSonnenuntergang ist wieder so schön .
Vielen Dank dass du uns mit genommen hast und erklärt hast , du zeigst immer was so grossartoges aus Griechenland , ich hätte nicht gedacht dass solche schöne spannnende Orte gibt!
Schöne weitere Tage wünsche ich euch Zwei!
Bei uns ist so schlechtes Herbstwetter mit Orkanböen und auch Sturmflut , Regen heute!
Lieben Gruss Elke
Lieben Gruss Elke
David M. Gascoigne, hat gesagt…
I have no doubt, Anette, that this was an exciting, interesting and educational journey, and I am glad you had your camera with you so that you were able to share the experience with us. I have made two similar trips, one to the Blue John Caverns in England, the second to the wondeful underground caves in the karst formations in Slovenia. I have to say that I become slightly claustrophobic; not enough to prevent me from going, but a little uneasy. Having said thar, I would not have missed the experience for anything! You really know how to get a lot out of your vacations, while others peel in the sun! Hugs - David
C Stern hat gesagt…
Deine Begeisterung für diese Höhle ist mir höchst nachvollziehbar, liebe Anette,
es ist eine Welt, die einem Alltag völlig entrückt ist, und wo andere Überlegungen im Kopf eines staunenden Menschen wichtig werden. Von daher ein Stillwerden in der Ewigkeit, denn die Zeit, die es für das Entstehen solch eindrücklicher Welten braucht, kann ich mir gar nicht vorstellen, würde diese Wunder gerne einmal im Zeitraffer erleben. Wenn Natur so völlig sich selbt überlassen ist, begeistert mich das. Höhlen sind wohl sowas wie letzte kleine Orte, die sich einem menschlichen Zugriff weitgehend verschließen.
Leider könnte ich nicht mit dem Boot fahren und auch eine Höhle würde mir wohl Platzangst bereiten. Aber ich sehe oder lese überaus gerne Berichte darüber.
Wundervolle neue Entdeckungen wünsche ich Dir, ganz liebe Grüße, C Stern
Anna hat gesagt…
Beautiful pictures of the cave !
Nature is beautiful outside but inside too ;)
Have a nice week !
Anna
Yamini MacLean hat gesagt…
Hari OM
An outstanding experience! I am a bit like David... a tendency to claustrophobia, but II sure admire the beauty that can be discovered beneath surface level. YAM xx