Wie war es damals in Kardamili?

Hinter hohen Mauern und wehrhaften Türmen versuche ich mir vorzustellen, wie die Menschen einst in Kardamili lebten.

Wenn wir mit dem Auto durch die Peloponnes streifen, gefällt mir die Landschaft der Mani besonders gut. Deshalb sind wir wieder in Richtung Süden unterwegs.
Diesmal besuchen wir Kardamili.

Von der modernen Unterstadt führt ein Weg zum historischen Troupakis-Mourtzinos-Turmkomplex empor.
Schon der Weg hinauf ist vielversprechend. Die Türme der Mani sind längst nicht so alt, wie die antiken Funde, dafür aber auch meist besser erhalten.

In Kardamili war der  Troupakis-Mourtzinos-Klan sehr mächtig. Von ihren befestigten Turmhäusern in Alt-Kardamili übte die Familie über zwei Jahrhunderte großen Einfluss in der Region aus.
Bald tauchte der Wohnsitz der mächtigen Familie auf. Zunächst sahen wir nur einen der Türme.


Dann standen wir vor der Außenmauer.

Und betraten schließlich das Innere des Komplexes. So also lebte eine der mächtigsten Familien der Mani. Ich überlege, wie das zur gleichen Zeit in deutschsprachigen Regionen aussah. Dort entstanden Residenzschlösser, prachtvolle Stadtpalais und weitläufige Sommerschlösser. Hier sah alles ganz anders aus.

Lebten die Menschen hier in ständiger Angst vor Eroberung, Tod und Vertreibung? 

Das Leben in der Mani war über Jahrhunderte von mächtigen Familienverbänden geprägt. Wo eine starke staatliche Ordnung fehlte, sorgten die Familien selbst für ihren Schutz. Dabei ging die Gefahr keineswegs nur von äußeren Feinden aus. Auch zwischen den Clans entstanden Fehden, die sich über Generationen hinziehen konnten.

Plötzlich verstehe ich besser, warum hier nicht nur gewohnt, sondern hinter hohen Mauern und in wehrhaften Türmen gelebt wurde.


Ich besuche das kleine Museum der Anlage. Auch hier lese ich nichts von glücklichen Zeiten.

Mitten in der wehrhaften Anlage steht die Kirche des Heiligen Spyridon. Sie ist eines der auffälligsten Gebäude des Komplexes und zeigt, welchen Stellenwert der Glaube im Leben der Familie hatte.

Zwischen all den Mauern und Türmen wirkt sie auf mich fast wie ein Gegenpol. Hier ging es nicht um Verteidigung, sondern um etwas, das den Menschen Halt und Zuversicht geben sollte.

Ich versuche das frühere Leben hier zu verstehen, aber es fällt mir schwer.

Auf der gegenüberliegenden  Felsspitze sieht man schon den nächsten Turm. Waren das Freunde? Oder Feinde? 

Ich werde mich noch etwas genauer in die Geschichte der Manitürme einlesen.  Aber nicht heute.

Es geht wieder hinab ins moderne Kardamili. Dort möchte ich ganz normales Strandleben genießen.

    

What Was Life Like in Kardamili Long Ago?

The landscape of the Mani is one of my favourite parts of the Peloponnese. This time we visit Kardamili and walk up from the modern town to the historic Troupakis-Mourtzinos complex.

Behind its high walls and fortified towers, one of the most powerful families of the Mani once lived. Walking through the complex, I try to imagine what everyday life must have been like here. Family clans, old feuds and the need for protection shaped life in this region for centuries.

The church of Saint Spyridon stands among the defensive buildings, while another tower can already be seen on a rocky hill in the distance. Friends or enemies?

I leave with more questions than answers. But for today, that is enough. We walk back down to modern Kardamili, where I am quite happy to enjoy ordinary life by the sea.





 



Kommentare

Duni hat gesagt…
Erstaunlich, dass die Gemäuer und Türme erhalten geblieben sind. Wenn ich solche Orte besuche stelle ich mir auch immer vor wie das Leben zu der Zeit wohl gewesen sein mag. Sicherlich war es karg und auf das Überleben ausgerichtet. Danke für die beeindruckenden Bilder, liebe Anette!